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Fast ganz Italien besteht aus "Grünstein" – Welt Online berichtet exklusiv

Zu finden auf Welt Online, wo der Betrachter "unter die Erdkruste" schauen kann...

Auf Welt Online kann der Betrachter "unter die Erdkruste" schauen... (Quelle: Welt Online)

Wie so oft nur durch Zufall bin ich eben auf eine Bildergalerie von Welt Online gestoßen, in der das Projekt “One Geology” mit bunten Bildchen präsentiert wird. One Geology, die meisten werden es wissen, versucht, einen freien, internetbasierten Zugang zu geowissenschaftlichen Kartenwerken der Erde zu ermöglichen. Ähnlich wie in GoogleEarth können auf Satellitenaufnahmen verschiedene Kartenebenen gelegt werden. Andere Blogs haben dazu schon wesentlich mehr berichtet, z.B. hier, hier, hier und hier.

Nun aber zurück zur Bildergalerie von Welt Online, die den wunderschönen Titel trägt: “Geologie – Unter die Erdkruste geschaut” (Vorsicht, Bauchschmerzen). Dem Fachmann dürfte sofort auffallen, dass die Bildunterschriften, nun ja, nicht sonderlich originell und stimmig sind. Spätestens bei Bild 6 aber sollten sowohl beim Betrachten des Bildes als auch beim Lesen der Erklärung die Alarmglocken läuten. Seit wann ist Italien (im Vergleich zu Frankreich) geologisch so langweilig?

Ist Italien geologisch wirklich so langweilig? Leser und Bildbetrachter von Welt Online könnten das denken.

Ist Italien geologisch wirklich so langweilig? Leser und Bildbetrachter von Welt Online könnten das denken, denn dort sieht Italien wie in dieser Abbildung aus (Bildquelle: One Geology).

Das bedarf einer Erklärung. Also schaut man sich die Erklärung von Welt Online an, die da heißt:

Frankreich ist bunt: Anzeichen für vielfältige Gesteinsarten. Italien weist eine “grünsteinige” Art der Geologie auf.

Aha. Eine “grünsteinige Art der Geologie”. Was ist denn das? Hat sich Italien plötzlich in einem Anfall von magmatischen und metamorphen Ereignissen in überprägte Basaltoide verwandelt – und das, ohne Frankreich zu beeinflussen, das weiterhin recht vielfältig daherkommt? Wohl kaum.

Des Rätsels Lösung: der Redakteur oder die Redakteurin der Bildergalerie haben schlicht andere “Layer” auf Italien und Frankreich gelegt. In Italien werden nur die grundlegenden Gesteinstypen (Magmatite, Metamorphite, Sedimentite, Lockergesteine) angezeigt, während auf Frankreich die geologischen Einheiten gelegt wurden. Geht man diesen Weg, kommt tatsächlich das Gleiche heraus, wie auf Welt Online zu sehen ist.

Die gleiche Grafik wie auf Welt Online. Sie ist ein Konglomerat aus italienischer Lithologie und den geologischen Einheiten Frankreichs.

Die gleiche Grafik wie auf Welt Online, nur dass nun auch Frankreichs Lithologie gezeigt wird. So macht der Vergleich mit Italien Sinn (Bildquelle: One Geology).

Macht man Italien nun wieder zu einem vollwertigen geologischen Lande, sieht das Ganze für das Geologenauge schon wieder viel freundlicher aus:

Endlich kann man wieder Äpfel mit Äpfeln und geologische Einheiten mit geologischen Einheiten vergleichen. Italien ist geologisch doch vielfältiger als der Betrachter auf Welt Online vermittelt bekommt.

Endlich kann man wieder Äpfel mit Äpfeln und geologische Einheiten mit geologischen Einheiten vergleichen. Italien ist geologisch doch vielfältiger als der Betrachter auf Welt Online vermittelt bekommt (Bildquelle: One Geology).

Mal ganz abgesehen von der Nutzung verschiedener Layer-Typen, bleibt die Frage zu klären, wie denn nun Italien bei Welt Online mehrheitlich zu Grünstein werden konnte. Die Antwort liegt auf der Hand: Man nehme die Farbe der Karte, von der man nicht weiß, was sie zu bedeuten hat, setze “stein” dahinter und schon ist uns und vor allem dem Redakteur oder der Redakteurin (oder dem Praktikanten?) klar, dass Italien eine “grünsteinige Geologie” aufweist. Ein bisschen verwundert hätte der oder die Verantwortliche für diese Bildergalerie schon sein müssen, als er oder sie auf Europa herausgezoomt hat (siehe Bild 8 auf Welt Online) und Italien als Außenseiter nur von einer Farbe statt, wie die anderen Länder, von sehr vielfältigen Farbtönen dominiert wurde.

Da scheint sich die These von Stefan Niggemeier (die eigentlich gar keine These mehr ist) zu bestätigen, dass Bildergalerien nur zum Generieren von Klicks und letztlich dem Erhöhen der Werbeeinnahmen dienen und weniger der korrekten Information der Nutzer. Die Bildergalerie auf Welt Online ist jedenfalls ohne Recherche ausgekommen (die eigentlich nur einen Klick in das grüne Italien verlangt hätte, um zu lesen, dass dort Sedimentgesteine, z.B. Kalksteine, vorkommen).

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3 Antworten zu “Fast ganz Italien besteht aus "Grünstein" – Welt Online berichtet exklusiv”

  1. GENSER Ernst sagt:

    vorerst ich bin kein Wissenschaftler!
    mein Enkel hat mich gefragt,wie kommt der Sand in die Adria (Caorle)
    Ich habe geantwortet, dass Sand durch Erosion von Gesteinen entsteht.
    Aber stimmt das für den Sand rund um Venedig?
    Der Sand dürfte doch SiO2 (Quarz) sein?
    Entspricht das den regionalen Gesteinen oder ist dieser aus Afrika “importiert”?

    Es würde mich freuen, auch als Nicht-Wissenschaftler eine Erklärung für meinen Enkel (und meine Person) zu bekommen

  2. Lieber Herr Genser,
    leider bin ich mit Gegend um Venedig geologisch nicht vertraut. Generell haben Sie sicher Recht, dass Sand durch die Erosion von Gesteinen entsteht. Er ist quasi das hochwertigste und letzte sichtbare Produkt der Erosion. Woher der Sand von Venedig aber genau stammt, kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich empfehle Ihnen dafür das Geo-Forum geoversum.de. Dort finden Sie einige Geoexperten, die Ihnen vielleicht weiterhelfen können.

    Mit freundlichen Grüßen
    Lutz Geißler

  3. [...] auffällig, dass ich immer gerade bei Artikel von Welt-Online kritisch werde. Mir wird es aber auch leicht gemacht… [...]

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