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Buchtipp: Wenn du eine Landschaft wärst (Maya Rasker) – Ein Geologe als literarischer Held

Über eine kurze Rezension im österreichischen Standard, die mittlerweile nicht mehr online verfügbar ist, bin ich auf den Roman “Wenn du eine Landschaft wärst” der Niederländerin Maya Rasker gestoßen. Der im Luchterhand Literaturverlag dieses Jahr auf deutsch erschienene Roman lässt einen Geologen in den spanischen Pyrenäen mit einer seiner Studentinnen anbandeln. Genaueres zum Inhalt aus dem Klappentext:

Montsec, ein Berg in den spanischen Pyrenäen, ist für den niederländischen Geologen Abel zur zweiten Heimat geworden. Er hat seine wissenschaftliche Karriere aufgegeben, um sich dort in der Einsamkeit niederzulassen, lebt davon, dass er im Sommer Geologiestudenten durch die unwirtliche Landschaft führt und vor Ort das Leben der Steine erklärt. Zu einer solchen Gruppe gehört Xenia, eine eigensinnige und mutige junge Frau, die ihn von dem Moment an, da sie in seinem privaten Paradies auftaucht, fasziniert. Abel lässt sich auf sie ein, lebt mit Xenia, obwohl er jeder festen Beziehung bisher erfolgreich aus dem Weg gegangen ist, in seinem Haus auf dem Montsec – bis die beiden von einem Wetterumschwung überrascht werden und mitten in einem katastrophalen Schneesturm ins Tal müssen. Auf der Flucht vor der Lawine verlieren sie einander. Wie durch ein Wunder überleben sowohl Abel als auch Xenia, aber nach ihrer Genesung verlässt sie ihn. Jahre später trifft Abel, der inzwischen zum eigenbrötlerischen Zyniker geworden ist, Xenia in Amsterdam wieder. Sie hat inzwischen einen Sohn – seinen Sohn, wie er feststellen muss …

Cover des Buches Wenn du eine Landschaft wärst

Cover des Buches "Wenn du eine Landschaft wärst" von Maya Rasker (Quelle: Luchterhand Literaturverlag)

Nun, solch eine Geschichte klingt erstmal nicht sonderlich aufregend. Normalerweise hätte ich mir das Buch auch nicht gekauft. Aber es spielt ein Geologe die Hauptfigur. Mich hat interessiert, wie die Autorin diesen Geologen und sein Umfeld darstellt. Nach eigenem Bekunden (am Ende des Buches) hat Maya Rasker zwei Wochen lang Geologiestudenten bei Kartierarbeiten in den Pyrenäen begleitet und sich so etwas in das Wesen der Geologie und ihrer Bearbeiter eindenken können. Nachfolgend seien einfach einmal einige “geologische” Textstellen aus dem literarischen Zusammenhang herausgerissen:

Während ich Xenia beobachtete, dämmerte mir, daß meine Typologie der Geologen – Reisende und settler – möglicherweise nicht immer zutraf, daß auch Geologen mit so einer doppelten Persönlichkeit kämpfen. In der Wissenschaft monoman, zeigen sie im Leben die Neigung unherzuirren – Halt suchend an den Felsen, weil sie im Leben nicht wissen, wonach sie suchen.

In jener Nacht drängte sich mir die Frage auf, ob sich die Geologie letztendlich mit dem Ganzen befaßt oder mit den einzelnen Teilen des Ganzen. Mit dem Zusammenhang oder den Details? Geht es um die Karte oder um das einzelne Handstück? Um Verständnis oder um Beherrschung? Wollen wir Einsicht in die Veränderung oder die Entstehung?

Ist die Zeit nicht eigentliche Kern der Geologie? Oder, anders ausgedrückt: Könnte die Geologie als Wissenschaft existieren ohne eine Vorstellung von der Zeit, ohne eine Vorstellung der Unendlichkeit? [...] Verständnis von der Erde entsteht nicht, indem man lediglich ein Phänomen betrachtet.

Es gibt noch eine Reihe weiterer recht interessanter Passagen im Text, die sich mit dem Wesen der Geologen und der Geologie befassen. Viele Fragen darin sind essentielle Fragen, die nicht nur die Geowelt berühren. Genau das ist es auch, was das Buch für mich so spannend gemacht hat: zu sehen, wie die Autorin es schafft, die Geologie das Leben ihres Protagonisten und das Leben des Protagonisten dessen Sichtweise auf die Geologie beeinflussen zu lassen.

Ich möchte nicht verschweigen, dass das Buch, besonders in der ersten Hälfte, in der Abel, der Geologe, Xenia noch nicht kennen (und lieben) gelernt hat, mit recht eindeutiger, direkter und harter Sprache das (Nacht-) Leben der Hauptfigur nachzeichnet. Aber solch eine Sprache braucht das Buch, um seine Charaktere zu formen. Letztlich ist die Geologie nur Mittel zum Zweck. Doch auch wenn die eigentliche Thematik des Romans eine andere ist (siehe Verlags-Zitat unten), lohnt es sich, das Leben des Geologen Abel zu verfolgen.

In einer Zeit, da Liebe und Sex, Ehe und Elternschaft nicht unbedingt eine Einheit bilden, stellt Maya Raskers neuer Roman eine Herausforderung dar, eine literarische Auseinandersetzung mit dem Wesen der Liebe, der Angst vor Bindung, der Freiheit zur Hingabe.

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Eine Antwort zu “Buchtipp: Wenn du eine Landschaft wärst (Maya Rasker) – Ein Geologe als literarischer Held”

  1. [...] (Novalis, Goethe etc.). Auch in der neueren Literatur spielen Geowissenschaftler eine Rolle (z.B. Maya Rasker: Wenn du eine Landschaft wärst). Abgesehen von der recht aufdringlichen und nicht sonderlich ansprechenden Gestaltung von [...]

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