Vor etwa einem Jahr erschien ein Bergbaukalender, von dem die meisten dachten, es ist ein Imitat des “Original Sächsischen Bergbaukalenders”, der seit 1994 erscheint und in der Bergbauwelt deutschlandweit bekannt ist. Viele hätten dem “Untertage in Sachsen”-Kalender kaum eine neue Auflage für das Jahr 2009 zugetraut. Dennoch: der im Granitsee-Verlag erschienene Kalender versucht sich auch im kommenden Jahr neben seinem großen Äquivalent zu behaupten. Lohnt es sich, den Kalender zu erwerben?

Das Titelbild des neuen "Untertage in Sachsen"-Kalenders.
Wie eingangs schon erwähnt, kommt der “Untertage in Sachsen”-Kalender in einem ähnlichen Layout wie der “Original Sächsische Bergbaukalender” daher und erweckt auf den ersten Blick den Eindruck, schlichtweg am Erfolg des älteren und in (Alt-) Bergbaukreisen beliebten Kalenders teilhaben zu wollen. Beim zweiten Blick kommen jedoch die einen oder anderen Unterschiede ans Licht.
Im Vergleich mit seinem großen Bruder (wenn man ihn so nennen will – eine wie auch immer geartete Verwandtschaft besteht nicht) mangelt es dem Kalender am professionellen Layout. Die großformatigen Fotografien überblenden in manchen Monaten Teile des Kalendariums so, dass einige Wochentage nicht mehr gut zu erkennen sind. Auch fehlt es dem Kalender an jener Eleganz und Schlichtheit, die seinen “Konkurrenten” auszeichnen. Die gezeigten Fotomotive fallen auf – vor allem wegen einer Frau mit rotem Helm und roten Overall, die fast jedes Bild ziert und auch schon im diesjährigen Kalender die Fotos dominiert. Sicher, als Maßstab, Beleuchtungshilfe und Blickfang mag die Namenlose gut geeignet sein. Für eine authentische Szenerie und für ein stimmiges Bild ist sie nicht von Vorteil. Andere, zum Beispiel lumpige, dreckige (Arbeits-) Kleidung würde schon helfen, um den von den Bildern ausgehenden Hauch von Bergbautourismus zu unterbinden, falls das überhaupt gewünscht ist. Die Fotoqualität an sich ist für das A3-Format ausreichend. Trotzdem mangelt es an der Brillianz der Bilder, die der “Original Sächsische Bergbaukalender” sein eigen nennen kann. Viel Negatives, das sicher nicht zum Kauf des Kalenders einlädt.
Warum sich der Kauf des Kalenders doch lohnt

Die Titelgeschichte des Kalenders.
Ganz im Unterschied zum “Original Sächsischen Bergbaukalender” und quasi als Markenzeichen zu verstehendes Merkmal, widmet sich der “Untertage in Sachsen”-Kalender auf den Monatsrückseiten ausführlich den fotografierten Motiven – in Wort und Bild. Die Texte sind für Laien verständlich und individuell geschrieben. Außerdem werden die GPS-Koordinaten der fotografierten Objekte, Kontaktdaten und Literaturhinweise gegeben. 13 spannende und informative Geschichten zum jeweiligen Fotomotiv lassen über einige kleine Schwächen des Kalenders hinweg sehen.
Der “Untertage in Sachsen”-Kalender kann zur Zeit noch nicht mit seinem älteren Bruder mithalten – er will und muss es vermutlich auch gar nicht. Die Zielgruppe scheint eine andere zu sein. Während der “Original Sächsische Bergbaukalender” eher den Bergbaufachmann und Altberbergbauenthusiasten ansprechen wird, ist der hier besprochene Kalender eher für interessierte Touristen geeignet, die mehr über den Bergbau im Erzgebirge erfahren möchten. Diese Zielgruppe wird jedenfalls durch Aufmachung, Motivwahl, Textinhalt und Textstil des Kalenders suggeriert.
Der Kalender ist ein ambitioniertes Projekt, das es vermutlich schwer haben wird, sich zu etablieren. Umso erfreulicher ist es, dass nach der ersten Ausgabe 2008 (Thema “Wasser im Berg”) nun auch der Kalender für das Jahr 2009 zum Thema “Aktiv im Berg – forever young” erworben werden kann. Der Preis von 19 Euro ist für die sicherlich recht kleine Auflage gerechtfertigt und vertretbar.
Tags: 2008, 2009, Bergbaukalender, Kalender, Original SĂ€chsischer Bergbaukalender, Untertage in Sachsen
Wenn man sich den Stihl-Kalender zum Vergleich anschaut, dann erscheint die o.g. zwar sauber und unzerlumpt, aber keusch und züchtig gekleidete Dame nicht mehr ganz so unpassend.
Und wenn du dir diesen Kalender hier anschaust, kann einem die rote Frau manchmal noch viel passender erscheinen
[...] einigen Wochen hatte ich eine Besprechung des “Untertage in Sachsen”-Kalenders veröffentlicht und festgestellt, dass dieser Kalender vor allem Urlauber und anderes touristisches Publikum [...]