Seit gestern überschlagen sich die Schweizer Zeitungen mit Meldungen zu den gestern veröffentlichten möglichen Endlagerstandorten für schwach- bis hochradioaktiven Abfall im Alpenland. Jede vorgeschlagene Region wappnet sich offenbar schon für den Widerstand. Ein interessanter Artikel dazu ist in der Baseler Zeitung erschienen. Ebenfalls dort erschienen war ein Artikel, der mittlerweile wieder aus dem Online-Angebot entfernt wurde, in dem eine weiser Satz geschrieben stand:
Es geht nicht um Fairness, sondern um Geologie.
Der Abfall ist da und er muss sicher verwahrt werden. Und es ist richtig, dass es dabei nicht um Fairness geht – sie ist immer relativ, erst recht in Atommüllangelegenheiten – sondern um den geeigneten geologischen Untergrund. Es wird ein schwieriger Weg für die Schweiz. Und auch in Deutschland wird sich irgendwann endgültig die Frage nach dem besten Endlagerstandort (v.a. für hochradioaktive Abfälle) stellen – weniger in den Fachkreisen als in Bürgerinitiativen und Politik. Dabei ist es so einfach (Vorsicht, Ironie): wenn niemand ein Endlager vor der Haustür haben möchte, dann bleibt der Abfall einfach weiter an der Erdoberfläche. Ob das so sinnvoll ist, sollte sich der ein oder andere durchaus einmal fragen.
Tags: Atommüll, Baseler Zeitung, Endlager, Geologie, NAGRA, Politik, radioaktiv, Schweiz
Interessant. Besonders, da ich auch mit dem Opalinuston in meiner DK zu tun habe – allerdings unter ganz anderen Fragestellungen. Von dem, was ich bisher gelesen habe, halte ich den für eine vergleichsweise gute Wahl.
Es stimmt schon: irgend eine Gemeinde wird am Ende in den sauren Apfel beißen müssen. Aber wenn die Bevölkerung schon wieder vor vollendete Tatsachen gestellt wird (wie bereits in Gorleben geschehen), wenn Erkundungsbohrungen als hydrologische Bohrungen getarnt werden (ebenfalls bereits in D geschehen bei der Erkundung des Salzstockes Wahn), wird der Protest so massiv werden, dass das Projekt eingestellt werden muss. Geologie hin oder her. In Hanau wird gegen die Erweiterung des dortigen Zwischenlagers geklagt – demnächst vor dem Bundesverfassungsgericht. In Gorleben brechen bei jedem Transport die Chaostage aus. In Wackersdorf gab es am Ende drei Tote.
) veranstalten, um die Leute über den geologischen Sachverhalt und die politischen Prozesse aufzuklären – ABER um Gottes Willen keine Propaganda-Lobby-Farce draus machen.
Dieses Thema ist einfach emotional zu sehr aufgeladen, um es mit der Floskel “Es geht nicht um Fairness, sondern um Geologie” abzutun. Das provoziert zu sehr. Das ist zu gefährlich. Wir müssen stattdessen die Bevölkerung mit ins Boot holen.
Ich schlage folgendes vor:
Sämtliche geologische Gutachten seit den 70ern unzensiert und gut zugänglich ins Netz stellen.
Sämtliche politischen Beschlüsse seit den 70ern – vor allem betreff Standortauswahl und Eignungshöffigkeit – unzensiert und gut zugänglich ins Netz stellen.
Endlich das Lobbyismus-Gschmäckle von den entsprechenden behördlichen Atom-websites rausnehmen und die Inhalte sachlich, objektiv und unvoreingenommen formulieren. Sollte man aber auch von der Anti-Atom-Bewegung verlangen!
Öffentliche Fernsehdebatten, Infosendungen (mit Harald Lesch?
Mindestens ein zweiter “echter” Standort für ein HAW-Endlager – kein pseudo-polit-Standort
Die Bevölkerung der möglichen Standorte Jahre im vorraus informieren und direkt in die Entscheidungsprozesse einbeziehen – keine Geheimhaltung mehr, kein Standorträtselraten, keine über Nacht anrückenden Bagger!!
Forderung nach der wahrhaft!!! ergebnisoffenen in Frage Stellung von Gorleben – sogar CDU/CSU Anhänger müssten im Ernstfall zu Gorleben nein sagen können!!!
Wir müssen dahin kommen, dass auch die Bevölkerung dieses Thema größtenteils wissenschaftlich-technich und nicht politisch-emotional betrachtet. Wir müssen das Volk aufklären! Wir müssen es mitnehmen, anstatt es vor vollendete tatsachen zu stellen!