Jürgen Schönstein berichtete am Sonntag über eine interessanten Fall der Verwertung von Klärschlamm. In Nagano (Japan) wird laut einem Artikel von China Daily aus Klärschlamm Gold gewonnen. Dabei geht es nicht um wenige Gramm pro Tonne Ausgangsmaterial, sondern um sagenhafte 1890 g Gold in jeder Tonne Asche des verbrannten Klärschlamms! Bei China Daily wird diese Menge mit einer japanischen Goldlagerstätte verglichen, die 20-40 g/t Gold aus dem Erz ausbringt. Viele Lagerstätten werden aber noch bei deutlich geringeren Goldgehalten abgebaut. Je nach aktueller Goldpreissituation können Lagerstätten mit kleiner 1 bis 3 g/t Gold abbauwürdig sein. Die Inhaber der Kläranlage sind daher nicht nur auf irgendeine, sondern auf eine riesige “Lagerstätte” gestoßen. Letztlich kommt es nun auf die Menge des Klärschlamms an, um die Aufbereitung gewinnbringend zu machen. Bei den anfallenden 3 Tonnen Schlamm am Tag, ist der “Abbau” ein sehr lukratives Geschäft. Die Betreiber rechnen laut China Daily mit Einnahmen von umgerechnet ca. 128.000 Euro (15 Mio. Yen). Das Gold soll vermutlich aus den in der Umgebung ansässigen Feinmechanikbetrieben stammen.
Klärschlamm-Gold in dieser Menge ist sicher eine Ausnahme, jedoch generell nicht ungewöhnlich. Auch in Europa sind im Klärschlamm Metalle, u.a. Gold, angereichert. Das Gold stammt meist aus Goldlegierungen, die durch Verschleiß oder Verarbeitung irgendwann im Klärschlamm landen. Paul Koppe und Alfred Stozek gehen in ihrem Buch “Kommunales Abwasser” (S. 341) davon aus, dass durch die deutschen Haushalte, Zahnarztpraxen, Krankenhäuser und Juwelierwerkstätten etwa 0,4 g/t Gold in den Klärschlamm eingetragen werden. Das reicht in den meisten Fällen nicht zum wirtschaftlichen “Abbau”, könnte aber bei weiter steigenden Goldpreisen in Zukunft attraktiv werden.
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