RSS-Feed abonnierenNewsletter abonnieren

Linktipp: Interview über die Hebung von Staufen

Den Meisten wird nicht entgangen sein, dass sich die baden-württembergische Stadt Staufen seit einigen Monaten mit einem drastischen geologischen Problem herumschlägt: nach Geothermiebohrungen, die einen Kontakt zwischen anhydritführendem Gipskeuper und Grundwasser hergestellt hatten, hebt sich nun die Stadt auf sehr heterogene Weise. Mehr als 100 Gebäude sind bereits beschädigt und ein Ende ist nicht in Sicht.

Deutschlandfunk hat zu den derzeit laufenden Untersuchungen den Darmstädter Professor und Geologen Ingo Sass interviewt. Interessant ist meines Erachtens vor allem die folgende Aussage:

In der Planung sind da auch die geologischen Verhältnisse zutreffend beschrieben worden, man hat vielleicht andere Schlüsse gezogen, oder möglicherweise auch nicht die richtigen Schlüsse, das will ich gar nicht beurteilen. Aber es ist für uns nicht überraschend, dass in Staufen der Gips-Keuper ansteht.

Sie macht vor allem deutlich, wie wichtig und im wahrsten Sinne “wert”-voll die geologische Interpretation sein kann.

Der Aussage von Ingo Sass

[...] ein grundsätzliches Verbot oder ein grundsätzliches Darstellen, das Erdwärmebohrungen gefährlich sind und zu solchen Rissen führen, ist nicht gerechtfertigt.

kann ich nur zustimmen.

Tags: , , , , , ,

Eine Antwort zu “Linktipp: Interview über die Hebung von Staufen”

  1. 17.07.2009 Dem Erdwärme-Bohrdesaster von Staufen/Br. folgte der Einsturz des Kölner Stadtarchivs. In beiden Fällen ist ein Versagen der staatlichen Bauaufsicht festzustellen. Aus ingenieur- und hydrogeologsicher Sicht sind beide Schadensfälle Beweise von unglaublichen Mißständen in unserem Staat. (Dazu zählen auch die
    Vorgänge um Asse II!).

    Ich empfehle das Lesen des aufschlußreichen Artikels von Andreas Rossmann in der
    F.A.Z. vom 23.06.2009 mit dem Titel: “Ministerpräsident Jürgen Rüttgers NRW will endlich Konsequenzen aus dem Kölner Archiv-Einsturz ziehen.”

    Eins steht jetzt schon fest: Ein Land (wie NRW), das mit Bergwerken groß wurde, muß sich für die Katastrophen schämen. Dem ist nichts hinzuzufügen. In diese Reihe ist auch der jüngste Erdeinbruch von Kamen einzuordnen. Dem Bürgermeister von Kamen, Hermann Hupe, ist nur beizupflichten, wenn er verlangt, dass für den Bau von Erdwärmeanlagen in Zukunft Probebohrungen vorgeschrieben werden müßten; freilich nicht nur Probevorbohrungen, sondern eingehende ing.- und hydrogeolgische Voruntersuchungen des jeweiligen Projekts. Dazu können die Daten zum oberflächen-nahen geothermischen Potenzial für die Planung von Erdwärmesondenanlagen des Geol. Dienstes NRW, Krefeld 2004, erste Anhaltspunkte ergeben. Hinweise darüber an verschiedene Bauämter haben jedoch kein positives Echo ergeben. Man weiß scheinbar alles besser und hat professionellen Rat nicht nötig. Auf diese Weise ist es auch zu den tragischen Ereignissen in Staufen gekommen.

    Dr. Horst Bloch, Beratender Ing.- und Hydrogeologe (i.R.),
    Buchenhain 20, 57271 Hilchenbach/Westf.

Hinterlasse eine Antwort

blogoscoop