Unter diesem Titel, im Original “Mineral resource geology in academia: An impending crisis?“, machen zurzeit US-amerikanische Geologen in der aktuellen Ausgabe des Journals GSA Today auf den drohenden Fachkräftemangel im Bereich der Lagerstättengeologie aufmerksam. Obwohl der warnende Artikel nur auf die USA gemünzt ist, kann er ohne Weiteres auch auf Deutschland und vermutlich ganz Europa übertragen werden. Deshalb seien die interessantesten Passagen nachfolgend zusammengefasst.
Die Autoren stellen fest, dass die Zahl der in den westlichen Industrienationen ausgebildeten Lagerstättengeologen in den letzten drei Jahrzehnten rapide gesunken ist. Die entscheidende Frage ist: Wie würde sich das Fehlen lagerstättengeologischer Lehre auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und dessen Wirtschaft auswirken? Aus Sicht der Autoren hätte dies fatale Konsequenzen. Schon in den 1990er Jahren begann diese Entwicklung. Institute wurden geschlossen, freie Stellen nicht neu besetzt, Forschungsprogramme ausgedünnt und Mittel gestrichen. Diejenigen, die in den letzten Jahren noch Stellen im Bereich Lagerstättengeologie inne hatten, mussten sich in der Lehre meist auf Nebenfächer wie Petrologie oder Geochemie beschränken. Machten lagerstättengeologische Lehrveranstaltungen 1992 von allen an den US-Universitäten angebotenen Geo-Kursen noch 33% aus, waren es 2002 nur noch 24%.
Während die Anzahl von Fachpersonal in den letzten 20 Jahren in den USA rapide gesunken ist, stieg und steigt die Menge an verarbeiteten Bodenschätzen. Diese Lücke wird sich in den nächsten Jahren noch vergrößern. Die Studentenzahlen im Bereich der Rohstoffgeologie sinken seit Jahren und einer Umfrage der Autoren aus dem Jahr 2002 zufolge, sind 70% der Professoren der Überzeugung, dass ihre Stelle nach Renteneintritt nicht mehr besetzt wird (durchschnittliches Renteneintrittsjahr: 2017). Die Autoren machen deutlich, dass nach einer Umfrage aus dem Jahr 2006 weniger als 70 der insgesamt etwa 100 Lagerstättenprofessoren in ihrem Fachgebiet aktiv bleiben können. Erschreckend: alle aktiven Lagerstätten-Fachbereiche in dender USA zusammengerechnet sind von ihrer Personal- und Studentenanzahl her vergleichbar mit einem “gewöhnlichen” ingenieurwissenschaftlichen Department einer einzelnen größeren US-Universität. In den letzten Jahren haben USA-weit nur etwa 40 Studenten ihr Studium in Lagerstättengeologie abgeschlossen. Das entspricht den Autoren zufolge noch nicht einmal der Hälfte des in der amerikanischen Bergbauindustrie jährlich in die Rente entlassenen Personals.
Und so ist es heute berechtig zu fragen, ob der Zusammenbruch der akademischen Lagerstättenwissenschaft und damit auch der Ausbildung noch aufzuhalten ist. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass dies nur durch einen Konsens zwischen Regierung, Bundesstaaten, der Bergbauindustrie und der Wissenschaft möglich ist – ein Konsens über die herausragende Bedeutung der Lagerstättengeologie und deren universitäre Vermittlung für die langfristige, nachhaltige Versorgung einer Nation mit Bodenschätzen, die Grundlage für das tägliche Leben sind. Wenn dies nicht gelingt, wird in wenigen Jahren sämtliches Wissen und Erfahrung bezüglich Lagerstättenerkundung, -nutzung und -management verloren gehen.
Beim Lesen des oben vorgestellten Artikels fallen unweigerlich Parallelen zur Situation der Lagerstättenlehre in Deutschland auf – sei es die Schließung von Instituten, die Nichtwiederbesetzung lagerstättengeologischer Stellen oder der Mangel an interessierten Studenten. Lagerstättengeologische Ausbildung ist an deutschen Universitäten nur noch in verschwindend geringem Maße vertreten. Auch wenn in Deutschland Lagerstätten sicher nicht in der Größe und Anzahl wie in den USA vorkommen, sind wir vor allem im Bereich der Industrieminerale und Steine/Erden auf einheimische Lagerstätten angewiesen. Und auch auf dem Erzsektor wird mit steigenden Rohstoffpreisen vermutlich wieder Nachfrage nach Lagerstättengeologen bestehen. So kann man nur hoffen, dass Politik und akademische Verwaltung alsbald den nicht hoch genug einzuschätzenden Nutzen der Geowissenschaften im Allgemeinen und der Lagerstättenforschung im Speziellen erkennen und einlenken.
Murray Hitzman, John Dilles, Mark Barton, & Maeve Boland (2009). Mineral resource geology in academia: An impending crisis? GSA Today, 19 (8), 26-28 DOI: 10.1130/GSATG33GW.1
(via geology.com)
Tags: Bergbauindustrie, Deutschland, Fachkräftemangel, GSA, Lagerstättengeologen, Lagerstättenkunde, Lagerstättenlehre, Politik, Universitäten, USA, Verwaltung
Deutschland dürfte hier wohl noch vor den USA liegen. In Hamburg ist die Lagerstättenkunde absolut tot, seit Prof. Tarkian gegangen ist. dafür gibt es Klimacampus und Klimaforschung überall. Oder Modellierungen von Becken etc. Nichts dagegen, aber die Hardrock-Geologie ist dabei fast komplett abwesend (nicht nur die Lagerstättenkunde). Wer kann denn heute noch vom Lehrpersonal Auflichtmikroskopie oder Polarisationsmikroskopie lehren? Die letzten, die das können, sind entweder gegangen oder stehen zur Pensionierung an. Da geht das Wissen von Generationen verloren.