Eigentlich bin ich kein Krümelka…, aber bei manchen Artikeln über geowissenschaftliche Themen muss ich doch ein paar Worte verlieren. So zum Beispiel im Falle des gestern bei Welt-Online veröffentlichten Artikels über Gesteinsverwitterung durch Pilze. An sich ein spannendes Thema, doch die Aufbereitung ist fragwürdig. Das betrifft noch nicht einmal die konkrete Wiedergabe der Inhalte, die britische Forscher in “Geology” veröffentlicht hatten, sondern die Füllwörter und Zusammenhänge. Hier einige Beispiele:
… Biotit, einem dunklen Glimmermineral, das häufig in Urgesteinen vorkommt …
Dass ich als Geowissenschaftler mit “Urgesteinen” so meine Bauchschmerzen habe, ist bei einem Artikel für die Allgemeinheit eher zweitrangig. Doch was kann sich ein interessierter Laie darunter vorstellen? Alte Gesteine? Folgt daraus nicht, dass Biotit in jüngeren Gesteinen nicht mehr oder nur untergeordnet vorkommt? Ein absoluter Wortfehlgriff des Autors. Warum nicht beispielhaft konkrete Gesteine oder charakteristische Eigenschaften des Minerals nennen? Mit allem kann der Leser mehr anfangen, als mit “Urgesteinen”.
Diese chemische Zersetzung ist der Beginn des endgültigen Zerfalls, in dessen Verlauf aus Steinen und Felsen fruchtbarer Boden wird.
Die Begriffe “Stein” und “Fels” sind in meinen Augen absolut uneindeutig, teils in ihrer Verwendung identisch, manchmal aber auch nicht. Der Leser wird kaum über die beiden Begriffe stolpern, weil er einfach drüberliest. Die Frage nach dem Unterschied zwischen Stein und Fels wird er aber kaum beantworten können. Dass auch bei Wikipedia über diese Alltagswörter für Gestein etwas ausweichend geschrieben wird, liegt einfach in der ungenauen Natur ihrer Verwendung begründet. Nicht nur als Wissenschaftsjournalist müsste aus meiner Sicht ein etwas kritischerer Blick auf die verwendeten “Fachbegriffe” gelegt werden. “Gestein” hätte es auch getan und wäre eindeutig gewesen.
… beschreiben Forscher der Universität im englischen Leeds im Fachmagazin “Geology”.
Schön. Eine Quellenangabe. Da der Welt-Online-Artikel erst gestern veröffentlich wurde, nahm ich an, der entsprechende Fachartikel in “Geology” stammt aus der aktuellen Ausgabe. Weit gefehlt. Er wurde schon im Juli veröffentlicht. Eine etwas exaktere Quellenangabe wäre durchaus hilfreich für Leser, die etwas tiefer in die Materie eindringen wollen. Soweit mir das bekannt ist, wird dies in qualitativ hochwertigeren Blättern auch so gehandhabt, bestenfalls gar mit einem Link zum Fachartikel.
Irgendwie auffällig, dass ich immer gerade bei Artikeln von Welt-Online kritisch werde. Mir wird es aber auch leicht gemacht…
Tags: Begriffe, Fels, Gestein, Stein, Urgestein, Welt Online, Wissenschaftsjournalismus
“Urgestein” zeigt nur, dass der Autor verzweifelt seine eigene Unkenntnis übertünchen will. Die “Welt” ist eben nicht für ihren Wissenschaftsjournalismus bekannt. Im gegentum, immerhin hatte sogar mein Freund Zillmer da so einige sehr sexy Besprechungen bekommen. Faszinierend, unsd symptomatisch für die Ahnungslosigkeit des Journalisten und seine unfähigkeit/Unwilligkeit zur Recherche ist der satz: Der Pilz gibt Verdauungssäfte ab, die aus dem Kristall lebenswichtige Elemente wie Natrium herauslösen.
Wie um alles in der Welt will er aus Biotit (und von dem faselt er doch die ganze Zeit) Natrium herauslösen? Die Mischkristalreihe (eigentlich das Mischkristallquadrat) des Biotits enthält Kalium, Magnesium, Eisen, Silizium und Eisen. Natrium ist da nicht weiter vorgesehen. Ein einfaches Nachschlagen bei Wikipedia hätte hier sicher geholfen.
Nachtrag: Ich hätte auch gerne die Originalpublikation in geology gelesen, aber weder im aktuellen noch im letzten Heft kann ich was passendes finden.
Deshalb habe ich ja im Gegensatz zu Welt-Online einen Link gesetzt… Du musst in die Juli-Ausgabe schauen oder einfach hier klicken: http://geology.gsapubs.org/content/37/7/615.abstract?sid=0ce4fe3d-5568-470b-b2a3-cfd419584ba1.
Ich nehme an, der Autor hat in der Eile “potassium” mit “Natrium” übersetzt. Ist aber auch kompliziert – “sodium” und “potassium” klingen ja fast gleich. Ungefähr so wie Natrium und Kalium
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Wunderbar. Ich war nur bis September zurückgegangen. Werde ihn mir morgen herunterladen. Ich glaube, das dürfte auch bei mir einen Blogartikel wert sein. So ein Flachschuss verdient eine anständige Blogparade, oder?