Von Silvio Janetz
Einleitung
Die Kalksteinbrüche der Fa. Schmaus in Ludwag befinden sich im Bereich der Fränkischen Alb, etwa 20 km östlich von Bamberg. Im unteren Steinbruch ist die Kalk-Mergel-Wechsellagerung aufgeschlossen, die die Schichtfolge des Weißjura beta bis gamma umfasst. Der obere auflässige Steinbruch repräsentiert die festen und massigen Kalksteine früherer Riffkomplexe. Im oberen Jura (Kimmeridgium) erstreckte sich über weite Teile Europas ein ausgedehntes Schelfmeer, in denen zahlreiche Inseln gute Bedingungen für ein Wachstum von mittelgroßen Riffen boten. Als riffbildende Organismen konnten Schwämme und Algen nachgewiesen werden.
Dagegen spricht die alternierende Ablagerung von Kalken und Mergeln im unteren Steinbruch für eine Sedimentation im Bereich von flachen Meeresbereichen. An der Basis des aufgeschlossenen Profils sind die Schichten des Weißjura beta erkennbar; sehr ebenmäßige hellgraue Kalksteine, die als Werkkalk bezeichnet werden und in früheren Jahren als Straßenschotter abgebaut wurden. Darüber folgen die blaugrauen, mergeligen Schichten des Weißjura gamma, die wiederum von mehreren Kalkbänken durchzogen werden und gute Fundmöglichkeiten an Makrofossilien bieten.
Paläoökologie
Die im unteren Steinbruch Ludwag aufgefundene Paläofauna macht deutlich, dass die Ablagerungen aus einem flachmarinen System stammen. Sowohl Brachiopoden als auch Cephalopoden bevorzugen Meeresbereiche mit moderater Salinität. Brackwasserformen sind bei keiner der vorgefundenen Lebensformen bekannt. Der Rostren-Fund von Pseudohibolithes belegt anhand der charakteristisch dünneren Alveole (“Keulenform”), dass es sich um Warmwasserformen handelt, deren Vorkommen auf die Wendekreise beschränkt ist. Auch bei Ammoniten ist in wärmeren Gewässern eine höhere Diversität festzustellen. Im Gegensatz zu den Ammoniten, die aufgrund ihrer nektonischen Lebensweise an kein Substrat gebunden sind, benötigen Brachiopoden für eine bessere Befestigung am Boden einen harten Untergrund. Die Kalkbänke, die in die weicheren Mergelschichten eingeschaltet sind, könnten als solch ein festes Substrat in Frage kommen. Der Aufschluss zeigt eine Fauna, die einer flachen, riffnahen Meeresbucht entspricht. Die bei der Karbonatausfällung gebildeten bankigen Kalke wurden im Schelfbereich von zyklisch eingeschwemmten Tonen überlagert. Da neben den Mergeln keine gröberen Sedimenteinträge vorkommen, kann man auf einen ruhigen, strömungsarmen Meeresbereich von 200 Meter Tiefe schließen. Das würde zumindest das Aufkommen der Ammoniten erklären, die für gewöhnlich ausgesprochene Flachwasserbereiche meiden, um Verletzungen bei Sturm- und Brandungsereignissen zu entgehen.
Biostratigraphie
Der gesamte fränkische Raum war im Oberjura ein Flachmeerbereich, in dem toniges Material von den umgebenden Inseln abgetragen und zwischen den Kalkbankfolgen abgelagerte werden konnte. Die so entstandene hellgraue Kalk-Mergel-Abfolge des Weißjura gamma erreicht eine Mächtigkeit von 30 Metern. Aus den Schichtfolgen von Weißjura beta und gamma konnten zahlreiche Ammoniten beschrieben werden. Das Unter-Kimmeridgium ist biostratigraphisch durch die Zonen der Sutneria platynota, des Ataxioceras hypselocyclum und des Crussoliceras (früher Katroliceras) divisum gegliedert. Die Platynota-Zone erreicht eine Mächtigkeit von 6 Metern und entspricht Gamma 1. Die mergelreichen Schichten des Gamma 2 (Ataxioceraten-Schichten) gehen in Richtung Top wieder in weniger mergelige Schichten über, die Divisum-Zone, die dem Komplex Gamma 3 entspricht und in der kaum noch Ataxioceraten zu finden sind. Die Mitte des 19. Jahrhunderts durch OPPEL beschriebene Zone des Strebulites tenuilobatus entspricht dabei der heutigen Gliederung in Gamma 2 und 3.
Ammoniten (Gattungen), Unterer Steinbruch Ludwag (Weißjura β und γ)
- Aspidoceras
- Streblites
- Glochiceras
- Ataxioceras sp.
- Orthosphinctes sp.
- Taramelliceras
- Crussoliceras
- Rasenia (Rasenoides)
(Dieser Text ist am 20.11.2004 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)
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