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Buntsandstein-Aufschlüsse im Orlatal des Thüringer Beckens

Von Silvio Janetz

Sandgrube Kleindembach

In der Sandgrube Kleindembach etwa 5 km nördlich von Pössneck sind die teilweise unverfestigten und tonigen Sandsteine des Unteren Buntsandsteins aufgeschlossen. Die Schichten werden der Nordhausen-Folge zugeordnet. Die laminierten weiß-grau bis rötlichen, mittel- grobkörnigen Sandsteine (54,7 % SiO2), die vereinzelt Tonsteinlagen erkennen lassen (11,8% Ton), wurden wegen ihres Feldspatgehaltes von 33,5% als Rohstoff für die Porzellanindustrie der Umgebung abgebaut. Der im Sediment enthaltene Feldspat ist dabei einfach nachzuweisen, da er durch Kaolinisierung beim Zerreiben zwischen den Fingern als weißes Pulver zurückbleibt. Die Korngrößen des Sandsteins übersteigen selten Werte von 2 mm, dennoch konnten in den Lagen der Basis größere Körner von wenig mehr als 2 mm gefunden werden. Die Sandsteine sind schlecht sortiert und weisen keine Gradierung auf. Die bis zu 10m mächtigen Sandsteinbänke zeigen Rippel sowie eine sigmoidale Schrägschichtung wie sie in Deltabereichen großer Flüsse oder den Leeseiten von Dünen anzutreffen sind.

Abb. 1. Sandgrube Kleindembach - Schrägschichtungskörper

Abb. 1. Sandgrube Kleindembach - Schrägschichtungskörper

Die Anlieferung der Sedimente erfolgte aus SE zum Beckenrand. Dabei wird ein fluviatiler Transport mit äolischem Anteil angenommen. Die moderate Korngrößenabnahme der Sande zum Top hin könnte ein Hinweis auf ein Gewässersystem sein, bei dem es infolge eines Hochwasserereignisses zur Verlagerung des Mäanders und damit zur Änderung der Strömungsverhältnisse kam. Die Ablagerung von vornehmlich feineren Körnern ( 2 mm) im Prallhangbereich würde für einen fluviatile Eintrag der Sande sprechen. Da die Sandsteine mit wachsendem Abstand zur Basis einen höheren Tongehalt bei abnehmender Korngröße aufweisen, muss von einer Abnahme der Fließgeschwindigkeit ausgegangen werden. Bei den in den Sanden vorkommenden Tonlagen (“Tongallen”) handelt es sich wahrscheinlich um die Ränder erodierter Trockenrisse, die gemeinsam mit den Quarz- und Feldspatkörnern in der Nähe des Liefergebietes allmählich abgelagert wurden.Der Aufschluss repräsentiert die fluviatile Sedimentation von Sanden und Tonen unter semiariden Klimabedingungen der frühen Trias (Buntsandstein). Die Haupttransportrichtung des Sedimentmaterials entspricht dabei etwa der des Buntsandsteins benachbarter Gebiete, nämlich SE.

Orlamünde, Verbindungsstraße zwischen Ober- und Unterstadt

Wenn man aus Rudolstadt der B 88 in Richtung Kahla folgt, erreicht man nach etwa 15 Kilometern Orlamünde. Die beiden Teilaufschlüsse, die die Grenze zwischen dem Unteren und dem Mittleren Buntsandstein repräsentieren, befinden sich direkt an der Verbindungsstraße zwischen Ober- und Unterorlamünde.

1. Teilaufschluss Unterer Buntsandstein

Abb. 2. Schrumpfungsrisse

Abb. 2. Schrumpfungsrisse

Am unteren Abschnitt der Verbindungsstraße sind die weiß-gelben bis rötlich-violetten Sandstein-Schichten der Bernburg Formation aufgeschlossen Die Sandsteine weisen Korngrößen bis zu 2 mm auf. Den Hauptmengenanteil der Sandsteine stellen Quarz und Feldspat. Es ist ein unreifes Gestein. Dabei erscheint es in Folge von Oxidations- und Verwitterungsprozessen laminiert. Wahrscheinlich gibt es auch Einlagerungen von Eisen, wofür zumindest die Rotfärbung einiger Schichten sprechen würde. Der Wechsel von Sandstein und Tonstein äußert sich in einer unstrukturierten Schichtung; stellenweise treten flachwinkelige Schrägschichtungskörper auf. Die Sandsteine zeigen an manchen Stellen Schrumpfungsrisse, die aus der Entwässerung der Tonschichten resultieren und allmählich mit dem Sand der überlagernden Schicht verfüllt wurden. Es wird eine subaquatische Bildung dieser Strukturen (Synärese) in einem niedrig energetischen, vielleicht sublitoralen Ablagerungsraum angenommen. In einigen Fällen sind Ablagerungen von Tonen und die damit verbundene flaserigen Strukturen in Rippeltälern zu beobachten. In anderen Fällen kam es anscheinend zu Sandschüttungen, wovon wiederum Schrägschichtungskomplexe in Rippeltälern zeugen. Sie erinnern an die Sedimentation alluvialer Überflutungsebenen.

2. Teilaufschluss Mittlerer Buntsandstein

Abb. 3. Fast gleichmäßig geschichtete Sande

Abb. 3. Fast gleichmäßig geschichtete Sande

Am oberen Abschnitt der Straße in Richtung Oberorlamünde fehlt bei den weiß-grauen, dickbankigen Sandsteinen der Volpriehausen Formation aufgrund eines geringeren Diagenesegrades die Rot- und Violettfärbung fast ganz. Die Sedimente sind teilweise unverfestigt. Die Sande dieser Formation weisen im Vergleich zu denen der Bernburg Formation gröbere Körner bis 3 mm und zum Teil auch kleinere Gerölle auf. Das Gestein ist jedoch überwiegend gleichkörnig. Die bessere Strukturierung als der erste Teilaufschluss sowie die sigmoidale Schrägschichtung sind auffallend. Stellenweise wurden Belastungsmarken (“load cast”) mit den typischen “ball and pillow structures” vorgefunden. Auch der Anteil an Quarz unterscheidet sich zu dem Aufschluss im unteren Straßenabschnitt: Er ist hier etwas höher. Dagegen fällt der Anteil an Glimmern und Tonen wiederum etwas geringer aus. Dies alles lässt auf ein höher energetisches System schließen: Ein limnisch-fluviatiler Ablagerungsbereich mit Fließrinnen, die ständig (langsam fließende) Wasser führten.

Ähnlich wie die Sandsteine des vorherigen Aufschlusses von Kleindembach (Nordhausen Formation) sind die Sandsteine von Orlamünde als Ergebnis einer alluvialen (Bernburg Formation) bis limnisch-fluviatiler (Volpriehausen Formation) Sedimentation unter dem semiariden Klima der frühen Trias zu sehen.

(Dieser Text ist am 21.04.2004 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)

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