RSS-Feed abonnierenNewsletter abonnieren

Das Rote Loch im Teutoburger Wald

Von Horst Grebing

An der Bundesstrasse 51 (Osnabrücker Straße) in Bad Iburg (Teutoburger Wald), 375 m nordnordöstlich vom Gasthaus “Zum Dörenberg” (Inh.: H. Bäumker), befand sich früher eine sehr tiefe Schlucht – diese wurde bzw. wird als “Rotes Loch” bezeichnet. Auf die Namensgebung weist ein in unmittelbarer Nähe stehendes Schild hin, auf dem zu lesen ist, daß der Name darauf zurückzuführen ist, daß man wegen des Ausflusses von rotem Wasser hier Erz vermutete.

Das Dörenberg-Massiv besteht aus Sandsteinen der Unterkreide. Dieser Osning-Sandstein wurde früher in großen Steinbrüchen für den Bau vieler heimischer Bauwerke abgebaut (“Benno-Bruch”, “Koken-Sandsteinbruch”). Südlich und auch östlich der Dörenberg-Gruppe streichen die Schichtenfolge des Doggers und des Malms aus. In der Geologischen Karte von Preußen und benachbarten deutschen Ländern, Blatt Iburg, aus dem Jahre 1930 sind – von West nach Ost – im Bereich des “Roten Loches” die Gigas-Schichten des Portland und Kimmeridge (Malm) sowie Oberer Dogger eingezeichnet. Dabei handelt es sich um weiche Gesteine des Oberen bzw. Mittleren Juras.

In einem Versuchsschacht in Nähe des “Roten Loches”, der vom Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein zur Erforschung der Wealden-Steinkohle 1885 abgeteuft wurde, wurden nach Werksangaben folgende Schichten durchteuft:

2,5 m Malm [wahrscheinlich Lößlehm]
1,5 m graublaue, zersetzte Schiefertone
2,0 m graugelber Dolomit
2,5 m dunkelblauer sandig toniger Schiefer
0,3 m blauer fester Kalkstein
1,8 m grauer Kalkstein
1,4 m blaugraue, z. T. kalkige Schiefer
0,7 m kalkiger Schiefer mit nicht zu bestimmenden Versteinerungen
2,3 m blaue, stark zerklüftete Kalksteine
1,3 m Kalkstein mit Spateisenstein und geringe Ausscheidungen von schlackigem Erdpech.

Das Profil deutet darauf hin, dass es sich um die Gigas-Schichten des Portland handelt.

Die Explorationsstrecke durchfuhr Wealden und die roten Schichten des Kimmeridge. In einer Mächtigkeit von 6,5 m wurde dabei auch ein rotes Trümmereisenerz mit 18,9 % Eisengehalt angefahren. Diese Eisensteinlage, der Bergmann spricht auch von Toneisenstein, wurde aufgrund des geringen Eisengehaltes (die untere Metallgehaltsgrenze für “Erz” war vom Verein auf 20 % festgesetzt worden) nicht abgebaut; zudem war der Versuchsschacht auf Steinkohle geteuft worden. Im Wealden wurden schwache und unregelmäßig gelagerte Flöze mit 60 – 70° nördlichem Einfallen angetroffen. Im Gesteinsschutt der Halde sammelte Karl ANDRÉE die Muscheln Corbula sp., Cyclas ? sp. und Cyrena dorsata DUNKER, die Schnecke Paludina sp.und den Muschelkrebs Cypridea valdensis SOWERBY.

Später versuchten Private die Wealden-Steinkohle durch einen vom “Roten Loch” aus gegen den Schacht des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins getriebenen Stollen zu erreichen, gaben jedoch den Versuch wieder auf.

Die Vermutung auf Erz im Untergrund bestätigt sich damit mit den o.g. Vorkommen: Kalkstein mit Spateisenstein im Versuchsschacht, rotes Trümmereisenerz in einer Mächtigkeit von 6,5 m im Verlauf der Explorationsstecke.

Beim Neubau der Straße von Iburg nach Osnabrück über den Herrenrest nördlich des “Roten Loches” mußten vom Scheitelpunkt ca. 25 m an Höhe abgetragen werden. Dieser Abraum (Wealden-Sandstein) wurde mit einer Lorenbahn zum “Roten Loch” transportiert und dort für eine Dammschüttung abgekippt. Dieser Damm überbrückte das “Rote Loch” zwischen dem Gasthaus “Zum Dörenberg” und der Abzweigung der Borgloher Straße (K 333). Die Arbeiten, an der 120 bis zeitweise 160 Männer beteiligt waren, begannen am 01. Juni 1931. Mit einem Festakt am 18. Juli 1932 wurde die neue Straße dem Verkehr offiziell freigegeben. Die alte kurvenreiche und steile Heerstraße (auch Römerstraße bzw. Napoleonstraße genannt) dient heute nur noch als Forstweg.

In unmittelbarer Nähe befand sich ein Schurfschacht des Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenvereins, in dem von 1857 bis 1884 geringfügig Wealden-Steinkohle abgebaut wurde. An der Borgloher Straße befand sich die 1909 gegründete Ziegelei Adolf Kamp; 1958 wurde der Ziegeleibetrieb eingestellt. In der Ziegeleigrube waren oberster Serpulit (Malm) und dunkle Schiefertone des Unteren Wealden aufgeschlossen.

(Dieser Text ist am 04.01.2005 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)

Tags: , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

blogoscoop