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Vinx: Gesteinsbestimmung im Gelände

Das in erster Auflage im Jahr 2005 erschienene, 439 Seiten starke Buch von Roland Vinx, hat zum Ziel, eine “Lücke zwischen Lehrbüchern der Petrografie sowie Petrologie einerseits und Gesteins- und Mineralienführern andererseits” zu schließen. Ob dies gelungen ist, soll am Ende dieser Rezension beurteilt werden. Das Buch ist inhaltlich logisch in drei Bereiche gegliedert: Allgemeine methodische Grundlagen zur Geländearbeit und zu den Gesteinsgruppen, knapp 100 Seiten zu gesteinsbildenden Mineralen, denen der Hauptteil des Buches zu den verschiedenen Gesteinsarten folgt.

Der erste Teil über die “Wissenschaftliche und praktische Bedeutung der Gesteinsbestimmung im Gelände” stellt wichtige Herangehens- und Verhaltensweisen an Aufschlüssen dar, zeigt Probleme bei der sinnvollen Probenahme auf und geht auch auf notwendige Hilfsmittel und Werkzeuge ein. Schon in diesem ersten Abschnitt des Buches zeigt sich deutlich der Praxisbezug, der sich als roter Faden durch das gesamte Werk verfolgen lässt. Etwas praxisferner muss jedoch eine Textstelle im Absatz “Hilfsmittel” auf Seite 7 eingeordnet werden, in der es heißt: “Im Gelände kommen für die Routinearbeit nur Hilfsmittel in Betracht, die man jederzeit ohne größere Umstände mit sich tragen kann”. Nach diesem Satz wird auf ein Bild verwiesen, das insgesamt fünf verschiedene Hämmer sowie die üblichen geologischen Utensilien zeigt. Es bleibt zu bezweifeln, ob ein “Wald- und Wiesengeologe” gleich mehrere (auch im Text geforderte) Hämmer als Grundausstattung benötigt, da man diese eben nicht ohne weiteres mit sich tragen kann.

Der zweite Themenkomplex des Buches beginnt mit einer Einführung in diagnostisch wichtige Mineraleigenschaften und schließt einen umfassenden Teil über die bedeutendsten gesteinsbildenden Minerale an. Dabei ist besonders hervorzuheben, dass der Autor in den Beschreibungen nicht, wie in vielen Bestimmungsbüchern üblich, jedes Mineral schematisch und mit gleichbleibender Informationsfülle abhandelt, sondern bei den Silikaten (Feldspäte, Pyroxene, Amphibole, Glimmer, Feldspatvertreter) ausführlich auf die generellen und gemeinsamen Eigenschaften der einzelnen Mineralgruppen und dann jeweils speziell auf die in den Gruppen vertretenen Minerale eingeht. Lobenswert sind vor allem detaillierte Beschreibungen zu Verwechslungsmöglichkeiten mit anderen Mineralen sowie zur Bestimmungspraxis. Außerdem geht der Autor meist kurz auf die Entstehungsräume der Minerale und deren geologische Bedeutung ein. Weniger häufig auftretende gesteinsbildende Minerale werden nur knapp durch ihre vorwiegend makroskopisch bestimmbaren Eigenschaften sowie deren Entstehung und Vorkommen charakterisiert. Trotz der gekonnten Kombination von Mineralbeschreibung und dem jeweiligen geologischen, insbesondere dem petrologischen Kontext, gibt es einige kleinere Kritikpunkte zu diesem zweiten Komplex des Buches. So sind einige der Mineralfotografien, die die entsprechenden Textstellen ansonsten sehr gut ergänzen, unscharf geraten (z.B. S. 96/97 oben). Außerdem ist vor allem bei den Beschreibungen der wichtigsten silikatischen gesteinsbildenden Minerale der Text zu unüberschaubar für eine zügige Bestimmung der Minerale. Hinzu kommt, dass durchaus mehr tabellarische Übersichten zu den verschiedenen Mineraleigenschaften einer Mineralgruppe hätten eingebaut werden können, wie es beispielsweise auf S. 44 zur Unterscheidung von Plagioklasen und Kalifeldspäten der Fall ist.

Der letzte und entscheidende Themenkomplex zu Gesteinen teilt sich auf in Grundlagen zur Gesteinsklassifikation sowie zu bestimmungsrelevanten Gesteinsmerkmalen, gefolgt von den drei großen Gesteinsgruppen (Magmatite, Sedimentite und Metamorphite). Abschließend widmet sich der Autor den Gesteinen des oberen Erdmantels. Jede Gesteinsgruppe wird umfassend nach den aktuellen Regeln klassifiziert. Bemerkenswert ist, dass sich Vinx nicht nur auf die reine makroskopische Gesteinsbeschreibung beschränkt, sondern auch ausführlich auf großräumige Formen, Ausbildungen und letztlich Geländemerkmale der einzelnen Gesteinstypen eingeht. Damit bietet das Buch nicht nur den sturen Blick auf jeweils ein Gesteinshandstück, sondern wird seinem Anspruch gerecht, auch in geologischen Zusammenhängen und mit Weitblick Gesteinsbestimmung zu vermitteln. Dadurch erfährt der Leser ganz nebenbei noch eine Menge an geologischen Informationen zur Gesteinsgenese und den jeweiligen Bildungsbedingungen. Das Buch ist somit nicht rein beschreibend, sondern verfolgt das Ziel, die Gesteinsbestimmung mit vielseitigem Hintergrundwissen zu erleichtern. Leider kommen trotz aller Ausführlichkeit einige wichtige Gesteinsgruppen vergleichbar kurz davon. So beispielsweise Lamprophyre, Metasomatite oder Pegmatite. Auch hätte man sich durchaus die zusätzliche Behandlung von Lockergesteinen, also insbesondere Böden, im Abschnitt “Sedimentite” wünschen können. Auch wenn sie keine Gesteine im engeren Sinne darstellen, kommen doch viele Geowissenschaftler im Gelände damit in Berührung. Im Gegensatz zum Komplex “gesteinsbildende Minerale” erleichtern im dritten Themengebiet des Buches deutlich mehr Schemata und Tabellen die Orientierung und erhöhen die Übersichtlichkeit.

Trotzdem muss dem Werk insgesamt gesehen als Nachteil angelastet werden, dass das Potential an möglichen tabellarischen Übersichten und Schemata bei weitem nicht ausgereizt wurde. Desweiteren muss betont werden, dass das Buch keinesfalls für das Gelände, sondern vielmehr für die Vor- und Nachbereitung eines Geländeaufenthaltes geeignet ist. Die umfangreichen Texte und die gerade erwähnten wenigen Bestimmungsschemata für eine schnelle Einordnung des Gesteins vor Ort, lassen das Buch genau in die zu Beginn angesprochene Lücke zwischen petrologisch-petrografischen Lehrbüchern und Gesteins- und Mineralienführern fallen. Das Ziel, diese Lücke zu füllen, ist damit deutlich erreicht. Vinx’ Werk ist insbesondere für Studenten der Geowissenschaften geeignet, sich mit den Grundlagen sowie dem speziellen Hintergrundwissen zur Gesteinsbestimmung vertraut zu machen. Die umfangreiche Bebilderung unterstützt hervorragend die im Text getroffenen Aussagen. Sehr zu empfehlen ist das Buch auch interessierten Laien und Hobby-Geologen, da trotz der Menge an Fachvokabeln (besonders bei der Beschreibung von Gefügen) jedes neu genannte Fachwort kurz, prägnant und verständlich erklärt wird. Zur Übersichtlichkeit und leichteren Orientierung im Text trägt zusätzlich bei, dass wichtige Begriffe dick hervorgehoben sind.

“Gesteinsbestimmung im Gelände” ist ausnahmslos jedem angehenden Geowissenschaftler wie auch Interessierten anderer Fachrichtungen zu empfehlen, da es auf bisher einzigartige Weise praktisches und theoretisches Wissen der Petrografie in einem Werk in deutscher Sprache vereint.

Zum Autor

Prof. Dr. Roland Vinx lehrt und forscht an der Universität Hamburg am Mineralogisch-Petrographischen Institut.

Zum Buch

Autor Roland Vinx
Seiten 439
Verlag ELSEVIER/ Spektrum Akademischer Verlag
Erschienen 2005
Auflage 1.
ISBN 3827415136
Preis 42,00 EUR

(Dieser Text ist am 06.05.2006 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)

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