Von J.W. Schneider
Das Erkennen und die Darstellung eines lokalen bzw. punktuellen spezifischen geologischen Sachverhaltes in einem Aufschluß (natürliche Ausstriche, künstliche Aufschlüsse – Schurf, Steinbruch, Graben, Baugrube, Bohrung usw.) ist die erste und notwendigste Voraussetzung für den verallgemeinernden Schluß auf den umgebenden nicht aufgeschlossenen Bereich. Die Größenordnung des darzustellenden bzw. zu untersuchenden Raumes hängt dabei von der Aufgabenstellung ab – vom cm-Bereich (z.B. Erzgänge, Faziesanalyse, Ermittlung tektonischer Beanspruchungen usw.) über den m- bzw. zehner oder hunderte m-Bereich (z.B. Gesteinseigenschaften für Abbau, Ingenieur- und Hydrogeologie, Speichereigenschaften für Kohlenwasserstoffe, Deponie-Management, Faziesanalyse, Geochemie, Tektonik) bis km-Bereich (Lagerstättenerkundung und Abbau, regionalgeologische Untersuchungen). Wesentlich ist die exakte Ermittlung und reproduzierbare Darstellung der Primärdaten, da die daraus abgeleiteten Schlüsse auf den umgebenden Raum bzw. die Verallgemeinerungen mit zunehmender Größe des Raumes bzw. zunehmender Entfernung vom konkreten Beobachtungspunkt unschärfer und ungenauer werden. Schlecht ermittelte und/oder dargestellte und/oder ungenau reproduzierbare Primärdaten führen zu zunehmenden schlechteren bis hin zu falschen Verallgemeinerungen und Schlußfolgerungen. Der die Arbeiten bzw. Untersuchungen ausführende Geologe haftet mit seinem Ruf und/oder finanziell dafür!
Geologie fordert aber auch immer Risikobereitschaft – dieses Risiko ist jedoch kalkulierbar. Absolute Sicherheit gibt es ebensowenig wie absolute Wahrheit einer Aussage in der Geologie. Wesentlich ist also, den Unschärfebereich möglichst klein zu halten, eine der jeweiligen Aufgabe entsprechende optimale Dichte von Beobachtungs- bzw. Meßpunkten zu erzielen. Gegen die maximale Datenerfassung steht die Forderung von Leistung pro Zeiteinheit. Bereits diese Erfassung der Primärdaten ist ja eine erste Verallgemeinerung der natürlichen, objektiv existierenden Verhältnisse, eine subjektive Reflexion.
Die Dokumentation der Primärdaten ist abhängig vom zu erfassenden Sachverhalt und der Zielstellung zu optimieren – verliert man sich zu sehr im Detail, werden Zusammenhänge nicht mehr sichtbar bzw. verwischt, aufgelöst; wird dabei bereits zu sehr generalisiert, werden alle nachfolgenden Schlußfolgerungen ungenau oder sogar falsch – s.o.
Die Geologie zählt mehr oder weniger zutreffend zu den descriptiven Wissenschaften (und ist dabei manchmal nicht weit entfernt von der darstellenden Kunst) – die Kunst besteht vor allem darin, die nicht-geometrischen geologischen Raum-, Mengen- und Verteilungsdaten berechenbar zu machen. Grundlage jeder Dokumentation ist also das Messen. Was nicht meßbar und quantitativ darstellbar ist, muß also möglichst exakt qualitativ beschrieben werden. Diese Beschreibungen müssen vor allem reproduzierbar sein, d.h. jeder der diese Daten braucht, muß aus der Beschreibung den dokumentierten Gegenstand vor seinen geistigen Augen sehen können – dies beginnt bei Farbangaben, Korngrößen, Art und Form von Komponenten, ihrer Häufigkeit aber ebenso auch bei der simplen Lesbarkeit der Schrift bzw. bei der richtigen Interpretation von Abkürzungen und Symbolen. Ein interessanter Test – die eigenen Aufzeichnungen im Abstand von 14 Tagen, 3 Monaten, 1/2 Jahr lesen.
(Dieser Text ist am 02.03.2004 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)
Tags: Aufschlussdokumentation, Bohrkerndokumentation, Feldbuch, Gelände, Geländearbeit, geologische Dokumentation