RSS-Feed abonnierenNewsletter abonnieren

Anleitung zur Bohrkerndokumentation

Von J.W. Schneider

Vorbereitung

1. Auslegen bzw. Überprüfen und Sortieren ausgelegter Kernkisten anhand der Beschriftung auf den Kernkisten und – so vorhanden – eines Kernmarschverzeichnisses. I.d.R. ist die Nummer der gekernten Strecke (= Kernmarsch bzw. KM), der gekernte Abschnitt in Metern von Rasensohle bzw. Geländeoberkante sowie die Länge des KM, Gewinn und Verlust (z.B.: 18,80 – 23,80 m, + 5 m, – 0,80 m) angegeben. Die Kernkisten sind in der Regel vom Hangenden zum Liegenden nummeriert. Ein Pfeil an der Kernkiste zeigt i.d.R. zum Liegenden.

2. Überprüfen, ob die Kerne richtig in die Kisten gelegt wurden und ob die Kisten richtig beschriftet wurden – also Hangendes/Liegendes und die Reihenfolge stimmt. Das Liegende wird am Kern mit Bezug auf die Bohrkrone als Krone, das Hangende, also oben, mit Kopf bezeichnet. Sollten diese Angaben bzw. der Pfeil fehlen, kann man den Kopf manchmal an Meißelspuren des vorhergehenden Kernmarsches bzw. des Rollenmeißels bei vorhergehender Meißelstrecke erkennen. Geht dies nicht, können nur noch lithologische Merkmale helfen.

3. Reinigen des Kernes von Spülungskrusten oder -resten, Überprüfen der richtigen Lage von Kernstücken in den Kisten, Zusammenpassen von Bruchflächen bzw. von Mahlflächen von Kernstücken gegeneinander.

4. Einmessen des Kernmarsches (“Metern”). Eine Kernkiste ist 1 m lang – es liegt aber manchmal weniger als 1 m darin, auch bei 100% Kerngewinn, der Kern erscheint also manchmal länger. Bruchflächen, in Brocken zerfallenes Gestein u.ä. lassen den Kern ebenfalls länger erscheinen, als die tatsächlich gekernte Strecke ist. Andererseits wird versucht, bei Kernverlust durch Tricks nahe an die vertraglich festgelegten Kerngewinne, also möglichst nahe an 100% zu kommen. Das ist mit geologischem Verstand nötigenfalls zu korrigieren – oder Sie müssen für resultierende Schäden haften.

Kerndokumentation

Meist gibt es Firmen- und/oder Aufgaben- bzw. Gesteins-spezifische Dokumentationsvorschriften, z.T. als Formblätter. Große Firmen (Erdöl/Erdgas) benutzen für die Dokumentation Computerprogramme und Laptops; die Praxis hat gezeigt, daß dies sehr effektiv ist, durch die notwendige Verschlüsselung jedoch viele Primärdaten verloren gehen. Wie auch immer, folgendes Vorgehen ist angeraten:

1. Im Kopf des Dokumentationsblattes bzw. der Feldbuchseite notieren:

  • Datum, Ort der Kernaufnahme, Mitarbeiter
  • Name der Bohrung, Standort, Rechts- und Hochwert so bekannt, Lage des Bohrpunktes über NN, Endteufe
  • Kernmarsch-Nummer, Teufenangaben, Kerngewinn/-verlust

2. Die Dokumentation erfolgt in Richtung des geologischen Prozesses vom Liegenden zum Hangenden. Früher war es üblich, vom Hangenden zum Liegenden zu dokumentieren, geben Sie deshalb sicherheitshalber an, daß die Bohrung vom Liegenden zum Hangenden dokumentiert wurde. Bei der Dokumentation von Bohrungen bzw. Rammkernen für ingenieurgeologische oder ähnliche Zwecke kann es natürlich auch sinnvoll sein und gefordert werden, daß die Dokumentation vom Hangenden zum Liegenden erfolgt – dann interessiert aber nicht der geologische Prozeß sondern die Boden- und Gesteinseigenschaften mit zunehmender Tiefe. Vorgehensweise also nötigenfalls mit dem Auftraggeber absprechen.

3. Bei der Kernbeschreibung ist in der Regel nachstehende Reihenfolge einzuhalten:

  • Gesteinsbezeichnung
  • Farbe – eventuell Hauptfarbe und dazu Besonderheiten, z.B. schwarzgrau, grünlich geflammt
  • Hauptbestandteile, Korn- bzw. Komponentengrößen und -formen; Anteil in %
  • Nebenbestandteile bzw. Matrix oder Zement oder Grundmasse, Korn- bzw. Komponentengrößen und deren Formen so feststellbar; Anteil in %
  • primäre Gefüge, Strukturen, Schichtungstypen; Einfallen von Schichtflächen
  • sekundäre Gefüge und Strukturen – i.d.R. tektonisch verursacht, wie Klüfte, Schieferung usw., Häufigkeit und Breite von Klüften, offen/geschlossen/verheilt bzw. gefüllt, Mineralisation auf Klüften usw.; Einfallen messen
  • Fossilführung, eventuelle Mineralisationen
  • so gefordert, Angaben zur Festigkeit der Gesteine
  • Zustand des Kernes
  • Besonderheiten
  • Proben – genaue Bezeichnung: Bohrung, Kernmarsch bzw. Teufenangabe, Pfeil zum Liegenden – beachten: im Übertageaufschluß Pfeil immer zum Hangenden, in Bohrungen Pfeil immer zum Liegenden
  • Fotographische Kerndokumentation: es wird zunehmend üblich, die Bohrkerne zu fotografieren – auf jedem Foto muß die Bohrungsbezeichnung und die Teufenangabe sowie der Pfeil zum Liegenden erkennbar sein – mit Markerstift oder Kreide auf die Kernkiste schreiben oder Papierkarten mit Angaben in das Bild legen; Maßstab, z.B. Metermaß oder ähnliches, neben Kern legen

4. Der Dokumentationsbericht besteht aus:

  • Deckblatt: Kerndokumentation Bohrung xy, Ortsangabe, Auftraggeber, Name(n) Bearbeiter, Ort/Datum
  • Zusammenfassung – kurze Darstellung der Ergebnisse der Bohrkerndokumentation, also Kern von /bis und Gestein/Stratigraphie
  • Kernverzeichnis (oder Kernmarschliste), Beispiel:
    Kernverzeichnis Bohrung Hy 4711/99, östlicher Ortsrand von Kernbeißerhausen, 20 m südlich der B 50; Rechtswert: 56. 24700 Hochwert: 45. 30468; Bohrlochansatzpunkt 311,0 m über NN; Endteufe: 800,5 m; Dokumentiert wurden : KM 1 230,4 m – 235,4 m; + 4,6 m, – 0,4 m, KM 2 592,0 m – 597,0 m; + 5 m
  • Kernbeschreibung
  • Grapische Darstellung der Bohrkerne

(Dieser Text ist am 02.03.2004 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)

Tags: , , , ,

Hinterlasse eine Antwort

blogoscoop