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Aufstieg der Dinosaurier – Ein tektonisches oder astronomisches Problem?

Von Frederik Spindler

Einleitung

Die Berühmtheit der Dinosaurier ist wohl hauptsächlich ihrer Größe zu verdanken. Kaum jemand der “Unbelasteten” wird dabei in Betracht ziehen, dass die weite Mehrheit der Arten eher klein war (bzw. ist, denn auch Vögel sind Dinosaurier). Größe ist also keineswegs ein charakteristisches Merkmal von Tiergruppen! Dennoch ist auch die Biomasse, die sich aus den großwüchsigen Arten ergibt, ein “ökologisches Wunder”. Wie und warum also konnten oder mussten die Dinosaurier über 6m Gesamtlänge hinauswachsen? Man muss wissen, dass bis in die mittlere Trias – der Entstehungszeit der Dinosaurier nämlich – kein uns bekanntes Landwirbeltier diese Grenze nennenswert überschritt.

Zunächst ein Blick auf die ersten Dinosaurier: Sie alle waren klein bis mittelgroß (erst in der Spättrias bis 8m lang), vorerst auf zwei Beinen unterwegs, räuberisch, aber ökologisch wohl mehr Beute als Jäger. Wo sie entstanden sind ist noch unklar. Fest steht, dass sie sich äußerst schnell ausbreiteten. Bis zum Ende der Trias tauchten mehr und mehr Arten auf und bevölkerten sämtliche Landmassen. Wie der Aufstieg funktionierte und wie die ökologische Dominanz der Therapsiden gestürzt werden konnte, ist in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Ansätzen untersucht worden.

Die Newark Supergroup

Die ersten Ergebnisse lieferte eine Arbeitsgemeinschaft um Paul Olson von Columbia Earth Institute. Wie die Wissenschaftler in der Zeitschrift Science (Vol. 296, 17.5.2002) argumentierten, habe der Aufstieg wesentlich an Naturkatastrophen profitiert. So ist eine Iridiumanomalie im Grenzbereich Trias-Jura ein klares Indiz für Impakte von Asteroiden. Solche Ereignisse rufen Stress hervor, da sich die Biomasseproduktion, auch die marine, schlagartig verändern kann. Mit steigender Trophie-Ebene nimmt auch der Stress zu. Danach, wenn sich die Systeme wieder stabilisieren, gehen Lebewesen mit höherer Anpassungfähigkeit und geringerer Empfindlichkeit als klare Sieger hervor. Dies, so Olson, zeige sich klar im fossilen Bestand. Dinosaurierfährten sind in höheren Horizonten der untersuchten Newark Supergroup (Osten der USA) häufiger als zuvor, die Erzeuger offensichtlich größer. Was also die Tiere auch so resistent machte, die Natur selektierte sie zum Antritt einer 165 Mio. Jahre währenden Herrschaft.

Einspruch

Die Hinweise und ihre Interpretation mögen durchaus richtig sein. Dennoch kann der geschilderte Prozess nur eine Verstärkung des Aufstiegs bedeutet haben. Die ältesten herbivoren Prosauropoden aus Madagaskar gehören zu den wenigen Fossilien des Grenzbereichs zwischen mittlerer und oberer Trias. Dieses bemerkenswerte Alter lässt auf eine Aufsplitterung hin zu den Untergruppen der Dinosaurier schließen, und bereits kurz nach Erscheinen der ersten Dinosaurier überhaupt. Eine derart schnelle Evolution (adaptive Radiotion) ist Zeichen für großen Erfolg, aber auch Selektionsdruck. Das heißt also, dass die Dinosaurier in Konkurrenz zu anderen Tieren zwar gestresst waren, aber schließlich länger durchhielten. Sei es das Gebiss, eine effektivere Verdauung, energiesparende Lokomotion oder anderes – die ökologische Karriere hatte anfangs offenbar rein biologische Gründe.

Pangäa stirbt

Mochten die Arten in der Trias und im frühen Jura noch so erfolgreich und groß sein, so muss man zugeben, dass die gigantischen Tiere von 20, 30 oder mehr Metern sich bis dahin dem fossilen Repertoire entziehen. Weiterhin fällt auf, dass sich die Arten – bedingt durch den Superkontinent Pangäa als einzige große Landmasse – global ähneln. Dies ist maßgeblich für Vermutungen, wie sie u.a. Oliver Rauhut anstellt. Der Berliner Wissenschaftler forscht derzeit im Bereich mitteljurassischer Dinosaurier. Wenngleich sich Faunen dieser Epoche vermehrt zu erkennen geben, sind die Dinosaurier aus der Zeit des Brechens von Pangäa nach wie vor schlecht belegt. Rauhut begründet eine steigende “Dino-Diversität” und zunehmend endemische Gruppen im Jura mit der Isolation der Lebensräume durch Kontinentaldrift. Außerdem spielt auch Anpassungsfähigkeit wieder eine Rolle. Mit der Drift variieren geographische Breiten. Außerdem sorgen veränderte Meeresströmungen für eine Bewegung im Klimaregime. Diese neuartigen Lebensräume könnten die Evolution drastisch angefacht haben, zumal die unterbundenen Migrationswege den Selektionsdruck steigern: statt auszuwandern, müssen die Tiere mit Klimaschwankungen fertig werden.

Die Sache mit der Größe

Auch das ist wahrscheinlich ökologisch begründet. Es ist nämlich eine Abhängigkeit zur Verfügbarkeit von Biomasse zu bedenken. Nur so ist erklärbar, dass sich mehrere Gruppen ohne nähere Verwandtschaft nacheinander über die 10m-Grenze wagen: im Jura die Sauropoden, in der Kreide die Ornithischa, am dem Jura diverse Theropoda. Die Fleischfresser also folgen den Pflanzenfressern, wann immer diese sehr groß sind. Diese wiederum folgen den Produzenten. Möglicherweise ist also eine Zunahme humider Lebensräume ab dem Jura die Ursache für Größenwachstum, auch wenn gewisse Rekordhalter noch andere haben könnten. Indirekt also stünde auch die Größe in Verbindung zu tektonischen Prozessen.

Alles in allem deutet sich ein Ursachen-Komplex an, der immer wieder einige Arten bevorteilt, andere nicht. Jedenfalls gilt es noch etliche Punkte genauer zu erforschen, um gänzlich zu verstehen, wie Biologie und Geologie ineinander greifen.

(Dieser Text ist am 19.01.2004 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)

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