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Die Green-River-Formation und ihre paläontologische Bedeutung

Von Michael Buchwitz

Abstract

Die lakustrinen Ton- und Siltsteine der Green-River-Formation repräsentieren Ablagerungen eines paläozänen bis eozänen Seesystems im Gebiet der Bundesstaaten Utah, Wyoming und Colorado. Die Fossillagerstätten beinhalten neben zahlreichen Pflanzen-, Wirbellosen- und Tetrapodenfunden die vielfältigste bekannte fossile Ichthyofauna. Die hervorragende Erhaltung zahlreicher Vogelfossilien macht die Green-River-Formation auch für Paläornithologen interessant.

Allgemeines

Vom oberen Paläozän bis zum mittleren Eozän erstreckte sich an den gemeinsamen Grenzen der heutigen amerikanischen Bundesstaaten Utah, Colorado und Wyoming über tausende Quadratkilometer ein langlebiges System von Seen: Im “paläogenen Große-Seen-Komplex”, der die Seen Lake Uinta, Lake Gosiute und Fossil Lake umfasste, bildeten sich die meist feinklastischen Abfolgen der Green-River-Formation.

Die lakustrinen Sedimente am Green River haben die reichste frühtertiäre Süßwasserwirbeltierfauna hervorgebracht, die man zur Zeit kennt: Über eine Million Fischfunde, meist komplette oder nahezu komplette Skelette, die mindestens 16 verschiedenen Familien angehören (Beispiele siehe Link 1). Hinzu kommt ein großes Spektrum an anderen Fossiliengruppen, darunter zahlreiche Exemplare mit Weichkörperabdrücken. Am produktivsten waren Lake Gosiute und Fossil Lake im Südosten Wyomings. Die Fossillagerstätten der Green-River-Formation werden seit 150 Jahren ausgebeutet und viele nordamerikanische Naturkundemuseen beherbergen Funde dieser Lokalitäten. Seit den 1960ern wird kommerziell nach Fischfossilien gegraben.

Link 1: Fossile Fische der Lokalität “Fossil Butte” (Fossil Lake, Unteres Eozän).
http://www.cr.nps.gov/history/online_books/fobu/sec4b.htm

Im Verlauf ihrer Entwicklung haben sich die Ausdehnungen und Lagen der einzelnen Seen verändert (siehe Link 2). Das Klima war subtropisch. Es gab Phasen erhöhter Salinität, in denen sich die Fischfauna über Flüsse in andere Süßwasserreservoire als Zufluchtsstätten zurückzog. Während der Wilkins-Peak-Regression waren die Seen hochsalinar, es wurde Natron aus dem Seewasser ausgefällt. Der Lebensraum könnte zumindest zeitweilig ähnlich dem der Seen des heutigen afrikanischen Grabensystems gewesen sein.

Link 2: Entwicklung des Seensystems vom Paläozän bis in das mittlere Eozän. Die Fischfossilvorkommen des Fossil-Butte-Members des Fossil Lake (spätes Untereozän) und des Laney-Members des Lake Gosiute (Unteres Mitteleozän) sind die produktivsten.
http://www.cr.nps.gov/history/online_books/fobu/intro.htm

Die Artenvielfalt der Fischfauna ist zwar hoch verglichen mit der anderer fossiler Süßwasser-Lebensgemeinschaften, aber klein im Vergleich zu rezenten langlebigen Seen wie z.B. den Großen Seen Ostafrikas. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Effekt der unvollständigen Überlieferung und des Problems der Differenzierung von Paläo-Arten mit geringen Merkmalsunterschieden. Auf Familienebene ist die Diversität ähnlich.

Presbyornis und die Anfänge der modernen Wasservögel

Über 40 Vogelarten hat die Green-River-Formation hervorgebracht. Die Qualität der Erhaltung ist in etwa vergleichbar mit der im etwas jüngeren Messeler Ölschiefer – in einer Anzahl Funde sind auch Federeindrücke dokumentiert. Die Green-River-Formation ist neben der Grube Messel in Hessen, dem London Clay in Essex (England) und den Phosphorites du Quercy in Südostfrankreich eine der vier großen Lieferanten für Vogelfossilien im Alttertiär.

Neben frühen Vertretern der Laufvögel, Greifvögel, Segler, Rackenvögel, Schwalmvögel, Kuckucksvögel, Hühnervögel, Spechte und Mausvögel gab es auch eine interessante Wasservogelfauna, die unter anderem Flamingos der Gattung Juncitarsus, was wiederum für ein Environment vergleichbar dem der afrikanischen Seen spricht, und den Entenvogel Presbyornis beinhaltet (siehe Link 3).

Link 3: Rekonstruktion des Entenvogels Presbyornis.
http://critters.pixel-shack.com/WebImages/crittersgallery/Presbyornis.jpg

Presbyornis hatte einen Entenschnabel und staksige Beine ähnlich denen der Watvögel. Auch Juncitarsus gleicht in manchen Merkmalen den Watvögeln, was zu der Hypothese führte, dass beide Gruppen (Entenvögel und Flamingos) von watvogelähnlichen Vorfahren der Kreidezeit (“transitional shorebirds”) abzuleiten seien. Derartige Watvögel hätten demnach als eine der wenigen Stammeslinien der Vögel das Massensterben an der Kreide-Tertiär-Grenze überlebt und im Verlauf ihrer Diversifizierung zu Beginn des Känozoikums verschiedene moderne Vogelordnungen hervorgebracht.

Literaturverzeichnis

Davis, P. G. & Briggs, D. E. G. (1998): The impact of decay and disarticulation on the preservation of fossil birds. Palaios 13: 3-13.

Feduccia, A.(1996): The Origin and Evolution of Birds. – Yale University Press, New Haven/ London, 420 S.

Grande, L.(2001): An updated Review of the Fish Faunas from the Green River Formation, the World’s most productive Freshwater Lagerstätten. In: Gunnel, G. F.(Hrsg.): Eocene Biodiversity – Unusual Occurrences and Rarely Sampled Habitats. – Kluwer Academic/ Plenum Publishers, New York, S. 1- 38.

McGrew, P.O. & Casilliano, M.(1975): The Geologic History of Fossil Butte National Monument and Fossil Basin. – NPS Occasional Paper No. 3 (als Online-Journal: http://www.cr.nps.gov/history/online_books/fobu/).

(Dieser Text ist am 19.05.2005 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)

Allgemeines

Vom oberen Paläozän bis zum mittleren Eozän erstreckte sich an den gemeinsamen Grenzen der heutigen amerikanischen Bundesstaaten Utah, Colorado und Wyoming über tausende Quadratkilometer ein langlebiges System von Seen: Im “paläogenen Große-Seen-Komplex”, der die Seen Lake Uinta, Lake Gosiute und Fossil Lake umfasste, bildeten sich die meist feinklastischen Abfolgen der Green-River-Formation.

Die lakustrinen Sedimente am Green River haben die reichste frühtertiäre Süßwasserwirbeltierfauna hervorgebracht, die man zur Zeit kennt: Über eine Million Fischfunde, meist komplette oder nahezu komplette Skelette, die mindestens 16 verschiedenen Familien angehören (Beispiele siehe Link 1). Hinzu kommt ein großes Spektrum an anderen Fossiliengruppen, darunter zahlreiche Exemplare mit Weichkörperabdrücken. Am produktivsten waren Lake Gosiute und Fossil Lake im Südosten Wyomings. Die Fossillagerstätten der Green-River-Formation werden seit 150 Jahren ausgebeutet und viele nordamerikanische Naturkundemuseen beherbergen Funde dieser Lokalitäten. Seit den 1960ern wird kommerziell nach Fischfossilien gegraben.

Link 1: Fossile Fische der Lokalität “Fossil Butte” (Fossil Lake, Unteres Eozän).
⇒ http://www.cr.nps.gov/history/online_books/fobu/sec4b.htm

Im Verlauf ihrer Entwicklung haben sich die Ausdehnungen und Lagen der einzelnen Seen verändert (siehe Link 2). Das Klima war subtropisch. Es gab Phasen erhöhter Salinität, in denen sich die Fischfauna über Flüsse in andere Süßwasserreservoire als Zufluchtsstätten zurückzog. Während der Wilkins-Peak-Regression waren die Seen hochsalinar, es wurde Natron aus dem Seewasser ausgefällt. Der Lebensraum könnte zumindest zeitweilig ähnlich dem der Seen des heutigen afrikanischen Grabensystems gewesen sein.

Link 2: Entwicklung des Seensystems vom Paläozän bis in das mittlere Eozän. Die Fischfossilvorkommen des Fossil-Butte-Members des Fossil Lake (spätes Untereozän) und des Laney-Members des Lake Gosiute (Unteres Mitteleozän) sind die produktivsten.
⇒ http://www.cr.nps.gov/history/online_books/fobu/intro.htm

Die Artenvielfalt der Fischfauna ist zwar hoch verglichen mit der anderer fossiler Süßwasser-Lebensgemeinschaften, aber klein im Vergleich zu rezenten langlebigen Seen wie z.B. den Großen Seen Ostafrikas. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Effekt der unvollständigen Überlieferung und des Problems der Differenzierung von Paläo-Arten mit geringen Merkmalsunterschieden. Auf Familienebene ist die Diversität ähnlich.

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