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Ichnologie der deutschen Jura-Saurier (Freilichtmuseum Barkhausen)

Von Frederik Spindler

Einleitung

Im niedersächsischen Teil des Wiehengebirges befindet sich die Gemeinde Bad Essen (Niedersachsen). Hier wurden Anfang der 1920er in einem ehemaligen Steinbruch nahe des kleinen Ortes Barkhausen Ichnofossilien großer Dinosaurier entdeckt. Sie stammen aus dem oberen Jura (Kimmeridge, ca. 153 Mio. Jahre alt). Zu dieser Zeit befanden sich hier ausgestreckte Schwemmebenen und Sandbänke in Küstennähe. Durch einen günstigen Wasser- und Schluffgehalt blieben die Fährten der Dinosaurier gut sichtbar erhalten und bieten heute einen fantastischen Einblick in die Lebewelt des Jura.

Zur Geologie

Abb. 1. Spuren des Ichnotaxa "Elephantopoides barkhausensis" (Langhals-Saurier)

Abb. 1. Spuren des Ichnotaxa "Elephantopoides barkhausensis" (Langhals-Saurier)

Die geschichteten Sedimentgesteine des Wiehengebirges bestehen in diesem Bereich aus bröckeligen Tonablagerungen rötlicher Färbung, was auf arides Klima hinweist. Direkt darüber folgt eine gut 50cm dicke Sandsteinschicht. In ihr befinden sich nebst Grabgängen von Invertebraten auch die genannten Saurierspuren. Da der gesamte Komplex durch tektonische Prozesse aufgetürmt wurde, befindet sich die einst plane Fläche heute in ca. 60% Neigung. Die steil aufragende Fährtenplatte bildet eine Wand des Steinbruchs. An der gegenüberliegenden Wand sind Fossilien mariner Muscheln zu finden. Die sich in Kalkstein fortsetzende Schichtung dokumentiert hier also eine Transgression, die zum Ende des Jura weite Teile Europas überflutete.

Zur Ichnologie

Die Fährten stammen von mindestens 11 Dinosauriern, die sich zwei Spezies zuordnen lassen. Zwar ist die genaue Bestimmung von Tieren aufgrund ichnologischer Befunde schwierig, da Eindrücke sehr unterschiedlich erhalten sein können und die Fährtenbildung allein schon von einer Reihe unabhängiger Parameter beeinflusst wurde. Dennoch sind Paläontologen in der Lage, bestimmte Bauplan-Typen abzuleiten und so den Fährtenerzeuger zu ermitteln. Leider fehlen im Fossilbeleg für den weißen Jura osteologische (also in Knochenfossilien erhaltene) Referenzarten, sodass selbst auf Familienebene keine Entscheidung getroffen werden kann. Es wurden daher Ichotaxa eingeführt, die heute kritisch zu betrachten sind, da es sich hierbei um eine Parataxonomie handelt:

Abb. 2. Spuren des Ichnotaxa "Megalosauropus teutonicus" (Raubsaurier)

Abb. 2. Spuren des Ichnotaxa "Megalosauropus teutonicus" (Raubsaurier)

1.) “Elephantopoides barkhausensis”: Dieser Dinosaurier gehört zu den Sauropoden (langhalsige Pflanzenfresser, zwischen 10 und 20m Länge). Sie hinterließen rundliche Eindrücke. Auffällig ist der geringe Größenunterschied zwischen Hand- und Fußsohle dieser vierbeinigen Tiere. Andere Sauropoden besaßen schmalere Vordergliedmaßen. Möglicherweise wird dies in der Zukunft eine konkretere Bestimmung zulassen.

2.) “Megalosauropus teutonicus”: Von diesem Theropoden (Raubtier von ca. 10m Länge) als typischem Zweibeiner sind nur die Fußabdrücke vorhanden. Auch hier ist die genaue Bestimmung fraglich, obwohl die Bezeichnung auf Megalosaurus hinweisen soll. Es ist durchaus in Betracht zu ziehen, dass dieser auch durch Skelettelemente bekannte Dinosaurier der Fährtenerzeuger war. Jedoch sind aus dem europäischen Jura auch Allosaurier bekannt, eine etwas fortschrittlichere Form ähnlicher Größe. Bisher ist es unmöglich, selbst gut erhaltene Ichnofossilien beider Gruppen klar zu trennen.

Die Fährtengemeinchaft (Ichnofauna) spiegelt zwar einen Teil der realen Biozönose wieder. Von einem Jagdverhalten fehlt hier aber jeder erforderliche Hinweis. Die beiden Arten sind im Abstand von Stunden bis Tagen über die Ebene gelaufen.

Abb. 3. Rekonstruktion beider Dinosaurier. Die Artbestimmung aufgrund von Fährten ist äußerst fraglich. Es wurden daher zeittypische Formen dargestellt.

Abb. 3. Rekonstruktion beider Dinosaurier. Die Artbestimmung aufgrund von Fährten ist äußerst fraglich. Es wurden daher zeittypische Formen dargestellt.

(Dieser Text ist am 20.11.2003 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)

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