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Oberbergrat Friedrich Wilhelm Graf von Reden

Von Ulrich Haag

Der Mann über den hier berichtet wird, ist wenig bekannt und doch ist er eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Bergbau- und Hüttengeschichte Preußens gewesen.

Friedrich Wilhelm von Reden wurde am 23. März 1752 als Sohn des Kgl. Großbritannischen und Kurfürstlich Braunschweigisch-Lüneburgischen Hofrats Johann Ernst Wilhelm von Reden auf dem Redenhof in Hameln geboren. Der damals knapp 16-jährige entschloss sich, bei seinem Onkel Claus Friedrich von Reden, dem als Berghauptmann die Bergwerke des Oberharzes unterstanden, eine Berglehre zu machen und bezog als 18-jähriger die Universität Göttingen, um Jura und Naturwissenschaften zu studieren. lm Alter von 21 Jahren legte er sein erstes juristisches Staatsexamen ab und ein reichliches Jahr später, 1774, das zweite.

Reden nahm nach seiner Rückkehr eine Stelle als Jurist in der Kammer in Hannover an. Freiherr von Heinitz, der inzwischen preußischer Bergbauminister geworden war, holte ihn nach Preußen. Durch Kabinettsorder wurde er 1778 zum königlich preußischen Kammerherrn und Oberbergrat ernannt und 1779 zum Direktor des schlesischen Oberbergamtes in Breslau.

Sofort nach Dienstantritt erarbeitete er einen umfassenden Plan zur Wiederbelebung des unter habsburgischer Herrschaft dahindümpelnden Bergbaus in Schlesien und legte ihn 1751 König Friedrich II. vor. Er verwies auf die reichen Erzvorkommen in Oberschlesien, die Kohlevorkommen in Oberschlesien und im Waldenburger Raum, beantragte und erhielt 267.500 Rtl. für die längerfristige Umsetzung des Plans und 147.420 Rtl. für kurzfristig einzuleitende Vorhaben, und zwar für die Aufnahme des Tarnowitzer Erzabbaus, für Schwefel- und Vitriolwerke im Riesengebirge, für den Zinnbergbau, den Kupferbergbau, die Goldgewinnung, in Goldberg, die Anlage eines Holzkohlen-Hochofens, zweier Hämmer, – außerdem 31.920 Rtl. für die Gewinnung und Ansiedlung fremder Berg- und Hüttenleute, denn es herrschte in Schlesien, besonders in Oberschlesien, ein ausgesprochener Mangel an qualifizierten Arbeitskräften.

Sein Hauptwirkungsgebiet war Nieder- und Oberschlesien, hier führte er die erste Dampfmaschine nach einer Studienreise (Industriespionage) nach England ein, lies den ersten mit Koks betriebenen Hochofen 1796 in Gleiwitz errichten und in Zabrze den Hauptschlüsselerbstollen anlegen. Dieser Stollen diente nach dem Vorbild der Bergwerkskanäle (Worsley-Kanäle) der Grubenentwässerung aber auch dem Kohletransport mit Kähnen, erst untertägig im Hauptschlüsselerbstollen, dann über den Klodnitzkanal und weiter über die Oder bis Berlin. Dabei wurde schon ein hochmodernes Transportverfahren angewendet, die Vorgänger unserer heutigen Container: die Kohle wurde vor Ort in Kästen, die abnehmbar auf Fahrgestellen standen geladen und mit Pferden zu untertägigen Umladestellen gebracht. Hier wurden die Kästen mit Krananlagen in die Kähne umgeladen. Ein Arbeiter stand dann auf dem ersten Kahn und zog die Kähne (bis zu 6) an in der Firste angebrachten Holzpflöcken bis zum Mundloch. Dort wurden die Kästen abermals mit einer Krananlage in größere Kähne umgeladen. Durch dieses Verfahren wurde ein mehrfaches Umschaufeln der Kohle und damit Wertminderung durch Zerbröckeln vermieden.

Reden ist auch verantwortlich für den Berliner Eisenkunstguss, die Königlich Preußische Porzellanmanufaktur und den Bau der Kanäle zum Rüdersdorfer Kalkwerk (Redenkanal, Heynitzkanal, Bülowkanal). Er besaß ein Schloss in Buchwald (Bukowiec), wo er sich auch um die Parkgestaltung, Pflanzenzucht usw. kümmerte. Es galt damals als Mustergut und seine Orangerie galt als Sehenswürdigkeit. Von seinem Gartenhaus (in Form eines antiken Tempels) hatte er einen herrlichen Ausblick auf das Riesengebirge und die Schneekoppe. Er hatte auf seinem Schloss mehrfach den preußischen König zu Gast und konnte sich “auf Grund seines Adels, seines liebenswürdigen Wesens und seines Ansehens” auf den umliegenden Schlössern zu diesen Gelegenheiten Möbel borgen.

Friedrich Wilhelm Graf von Reden starb am 03. Juli 1815 in Buchwald.
Unbekannt ist er dadurch, dass er, weil er Napoleon den Treueid geleistet hatte 1807 aus dem Dienst entlassen wurde. Obwohl sich seine Ministerkollegen, seine Freunde und “seine Bergleute” sich für ihn einsetzten wurde er nicht wieder in den preußischen Staatsdienst übernommen. Zweitens ist es sein Pech, dass er in Schlesien wirkte, zu sozialistischen Zeiten war der Begriff “Schlesien” in der Ex-DDR tabu, die Polen aber hatten an einem Preußen kein Interesse.

Folgende Sachzeugen erinnern heute noch an diesen hervorragenden Berg- und Hüttenmann:

  • Kanalsystem in Rüdersdorf (Redenkanal, Heynitzkanal, Bülowkanal)
  • Fuchsstollen in Walbrzych (Grubenentwässerung und Kohletransport mit Kähnen)
  • Hauptschlüsselerbstollen in Zabrze (heute noch erhalten und in gutem Zustand)
  • Schloss und Park in Buchwald (Bukowiec)
  • Erzeugnisse des Berliner Eisenkunstgusses
  • Redendenkmal in Königshütte (Chorzów)

(Dieser Text ist am 01.01.2005 auf der alten Version von geoberg.de erschienen und wurde übernommen.)

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