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Bodenschätze in Afghanistan: Wie eine Schlagzeile nicht aussehen sollte

Die in Chemnitz erscheinende Freie Presse hat heute Nacht ein Interview mit dem Freiberger Tektoniker Prof. Dr. Lothar Ratschbacher veröffentlicht, der sich über die in den letzten Tagen wie eine Lawine durch die Medienlandschaft rauschenden Meldungen über riesige Bodenschatzfunde in Afghanistan äußert. Die Schlagzeile, die die Freie Presse daraus macht, lockt in der Unterzeile mit einer Behauptung Ratschbachers, die so im Interview nicht erkennbar ist und zudem einen falschen Eindruck erweckt:

Wissenschaftler: Bodenschätze in Afghanistan  sind “Schnee von gestern”

Kurioserweise hat Ratschbacher “Schnee von gestern” selbst nicht in den Mund genommen, sondern es wurde ihm von der Freien Presse in den Mund gelegt:

Freie Presse: Was uns als Neuigkeiten mitgeteilt wurde, ist also für Sie Schnee von gestern?

Ratschbacher: So ungefähr. Das ergibt sich daraus, dass die geologischen Bedingungen Afghanistans auch in den Ländern Tadschikistan, im Nordteil Pakistans und im Westen Chinas anzutreffen sind. Und diese Gebiete kennt man und kennen wir viel besser als Afghanistan.

Ratschbachers Aussage geht es eigentlich um den Fakt, dass die “neuen” Bodenschatzfunde auf der Auswertung von alten Untersuchungen sowjetischer und teilweise deutscher Geologen aus dem 20. Jahrhundert basieren und nicht gänzlich neu vor Ort nachgewiesen wurden. Zwar gab es wohl seitens der US-Amerikaner Untersuchungen mittels Fernerkundung. Die Masse der jetzt in die Öffentlichkeit getragenen Informationen scheint jedoch in Archiven gesammelt worden zu sein. Und genau das haben seit Tagen auch andere Medien berichtet.

Dass, wie die ergänzende Headline der Freien Presse suggeriert, all die Meldungen über große Bodenschatzvorkommen keine Berechtigung haben und die Bodenschätze Afghanistans womöglich nicht (mehr) vorhanden sind, lässt sich aus dem Interview nicht herauslesen. Insofern hofft die Freie Presse mit ihrer abstrusen Überschrift sicher auf zahlreiche Zitierungen in anderen Medien, erreicht dabei aber ein Niveau, das in der Nähe einer großen Boulevard-Zeitschrift mit vier Buchstaben liegt.

Ganz abgesehen davon ist das eigentliche Interview sehr lesenswert.

Nachtrag, 23 Uhr: Andere Medien nutzen, wie vorhergesagt, die Meldung der Freien Presse, formulieren ihre Schlagzeilen, aber entsprechend eindeutiger… (dafür verdrehen sie Ratschbachers Namen und machen aus Freiberg Freiburg. Das ist mindestens genauso tragisch…)

Nachtrag, 18.06., 14 Uhr: Die TU Bergakademie Freiberg hat nun auch eine offizielle Mitteilung über die Einschätzung Prof. Ratschbachers veröffentlicht.

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