RSS-Feed abonnierenNewsletter abonnieren

Erfahrungen mit der Literaturverwaltungs-Software Citavi

Seit einigen Wochen, in Anbetracht der Flut von Literatur zur Geologie Kaliforniens, nenne ich die schweizer Literaturverwaltungs-Software Citavi mein eigen. Zwar haben viele Universitäten in Deutschland eine Campuslizenz, die den Studenten die kostenlose Nutzung ermöglicht, in Freiberg wurde bislang jedoch nicht in diese Richtung investiert. Weshalb ich mich für die Software entschieden habe, will ich hier kurz anreißen.

Es gibt viele Möglichkeiten, Literatur zu verwalten. Das fängt mit dem Abheften der Paper in Ordnern an und hört letztlich beim händischen Erstellen eines Literaturverzeichnisses für eine neue Publikation auf. Für eine Studienarbeit, mit viel gutem Willen auch für eine Diplomarbeit mag das ausreichen (doch bereits dafür musste ich viele Nerven lassen). Für weitergehende Forschungsarbeiten nimmt die Menge an verwendeter und später zu zitierender Literatur aber dermaßen zu, dass man erstens droht, den Überblick zu verlieren, und zweitens enormen Fleiß investieren muss, will man eine Veröffentlichung schreiben, die zwangsläufig eine Referenzliste beinhalten muss. Der Grund: jede Fachzeitschrift hat unterschiedliche Regeln, wie Literatur zu zitieren und im Verzeichnis aufzuführen ist. Ein manuell getipptes Verzeichnis in einer Textverarbeitungssoftware kann ganz schnell zu einer großen Last werden, wenn die Jahreszahlen in der einen Zeitschrift in Klammern, in der anderen aber mit Komma von den Autorennamen abgegrenzt werden müssen. Literaturverwaltungs-Software hat den entscheidenden Vorteil, dass sie zitierungsstilunabhängig die Daten erfassen und diese bei Bedarf nach einem bestimmten Stil ausgeben kann.

Eingabemaske für Literaturdaten in Citavi. Am linken Rand ist die Übersicht über bereits erfasste Literaturstellen zu finden, über die sich auch zu den jeweiligen Datensätzen navigieren lässt.

Eingabemaske für Literaturdaten in Citavi. Am linken Rand ist die Übersicht über bereits erfasste Literaturstellen zu finden, über die sich auch zu den jeweiligen Datensätzen navigieren lässt.

Citavi ist eines der umfangreichsten Programme, die es am Markt gibt und zugleich eines, das viele nützliche Features bereithält. Ich habe inzwischen über 250 Literaturstellen erfasst. Das geschieht entweder durch manuelle Eingabe in die entsprechenden Datenbankfelder oder aber durch Import von Zitatdaten in allen gängigen Formaten. Meist sind das bib- oder ris-Files, die von den meisten Zeitschriften online zur Verfügung gestellt werden. Da inzwischen auch sehr viele ältere Paper (vor 1990 publiziert) zumindest als Abstract verfügbar sind, ist das Erfassen der Daten vergleichsweise einfach. Metadaten von Büchern können sehr einfach durch Eingabe der ISBN in die Datenbank übernommen werden. Gleiches ist über die ISSN für Journals möglich. Zudem gibt es eine Online-Recherche-Funktion, die in frei wählbaren Datenbanken nach dem gewünschten Artikel und dessen Metadaten sucht. Ein Zusatzprogramm für Internetbrowser erkennt in aufgerufenen Websites ISBN-Nummern und importiert die entsprechenden Daten auf Wunsch in Citavi.

Citavi bietet eine in meinen Augen vollständige Auswahl an Möglichkeiten, die Literatur einzuordnen, z.B. als Zeitschriftenbeitrag, als Abstract in einem Tagungsband, als Teil einer Monographie usw. Selbst wenn die gesuchte Kategorie nicht vorhanden ist, kann eine neue angelegt werden, um am Ende auch ein korrektes Zitat zu erhalten. Die vorhandenen Zitierregeln können für jede einzelne Publikationskategorie manuell verändert oder komplett neu angelegt werden. Beim Schreiben eines eigenen Artikels können die Einzelzitate (z.B. “Meier (2009)”) über den Publikationsassistent von Citavi in ein beliebiges Textbearbeitungsprogramm als Platzhalter eingefügt werden. Das Literaturverzeichnis wird am Ende automatisch erstellt. Der Export als auf das jeweilige Journal angepasste Literaturliste ist aber nur ein Vorteil von Citavi (wie von jeder anderen Literaturverwaltungs-Software).

Citavi bietet mehr. Die erfasste Literatur kann in eigene Fachkategorien sortiert werden. Für Gedanken oder auch Zitate aus einem Paper stehen spezielle Eingabefelder zur Verfügung, sodass Ideen, die beim Lesen entstehen, sofort festgehalten werden können (“Wissensorganisation“). Auch paper-bezogene Termine und Aufgaben, wie etwa der Ablauf der Ausleihfrist an der Bibliothek, können mit Citavi verwaltet werden (“Aufgabenplanung“). Eine separate Autorendatenbank verhindert, dass mehrere Einträge des gleichen Autors existieren (z.B. können alle Literaturstellen mit “Meier, Hans J.” und “Meier, H. J.” auf die eine oder andere Schreibweise angepasst werden).

Die Macher von Citavi arbeiten derzeit an einer neuen Version, die noch deutlich intuitiver bedienbar und mit erweiterten Funktionen ausgestatten sein soll (und schon seit mind. 1 Jahr angekündigt wird…). Auch wenn das Programm Konkurrenz nicht fürchten braucht, lässt es noch einige Wünsche offen. Die Navigation zwischen den einzelnen Programmteilen ist teilweise recht umständlich. Sinnvoll wären auch mehr Möglichkeiten, einzelne Datenbankeinträge mit frei belegbaren Symbolen für z.B. “wichtig”, “später lesen” o. Ä. ausstatten zu können. Bisher gibt es nur zwei festgelegte Symbole, die eine schnelle Übersicht über die erfasste Literatur und meine individuelle Bewertung ermöglichen.

Wer in Citavi hineinschnuppern möchte, sollte sich die Testversion herunterladen. Es sind alle Funktionen zeitlich unbegrenzt verfügbar, allerdings können maximal 100 Literaturstellen erfasst werden. Mich hat die Software überzeugt. Wem das nach dem Testen auch so geht, der kann für vergleichsweise wenig Geld (Preis brutto: 91,63 € für eine Privatanwender-Lizenz) die Citavi-Pro-Lizenz erwerben und bekommt anschließend einen Lizenzschlüssel zugeschickt, mit dem die Sperre auf 100 Einträge aufgehoben wird. Wer sich die Software bereits kaufen möchte, kann später kostenlos auf die neue Version upgraden.

Ein Vorteil vor allem für Forscher, die an mehreren Projekten arbeiten: In Citavi können projektbezogene Datenbanken erstellt werden, mit entsprechenden Austauschmöglichkeiten der Daten.

Andere Möglichkeiten

Ein ähnliches Literaturverwaltungspaket, allerdings mit Community-Aspekt und nur als Online-Software verfügbar, ist scholarz.net. Auch dort können verschiedene Forschungsprojekte mit entsprechenden Literaturstellen organisiert und verwaltet werden. Der Vorteil hierbei ist, dass die von den registrierten Forschern erfassten Literaturdaten allen Nutzern zur Verfügung stehen. Es entfällt also unter Umständen lästige manuelle Eingabe von Daten vor allem älterer Publikationen, wenn andere diese bereits erfasst haben. Scholarz.net verfolgt einen umfassenderen Ansatz als Citavi, da es den gesamten wissenschaftlichen Prozess unterstützen will, während Citavi den Schwerpunkt auf die Literaturverwaltung als solche legt. In der Testphase von scholarz.net konnte ich mich dank einer Einladung dort ausgiebig umsehen. Ein vielversprechendes Projekt, das Forschung mit dem Web 2.0 verbindet und vor allem für Wissenschaftler interessant ist, die überall und jederzeit Zugriff auf ihre Literaturdaten und Ideen haben möchten.

Wer auf der Suche nach einem einfachen, kostenlosen, aber nicht minder nützlichen Literaturverwaltungsprogramm ist, das vor allem für Online-Quellen hilfreiche Dienste leistet, sollte sich Zotero ansehen. Das Add-On für den Browser Firefox hat viele Funktionen, die mit Citavi mithalten können.

Tags: , , , ,

Eine Antwort zu “Erfahrungen mit der Literaturverwaltungs-Software Citavi”

  1. Ulla Schmitz sagt:

    Hallo und nur mein Linktipp für Leute, die noch nie mit einer Literaturverwaltungssoftware gearbeitet haben – wie zum Beispiel Erstsemester:

    Citavi-Schulung light: http://www.w-i-f.de/

    (Beitrag gekürzt, Admin)

Hinterlasse eine Antwort

blogoscoop