RSS-Feed abonnierenNewsletter abonnieren

Komet oder Toteis? Neue Ergebnisse zur Entstehung des Tüttensees im Chiemgau

Die Medien haben sich auf die neuen Forschungsergebnisse gestürzt. Und der kritische Chiemgau-Impact-Blog wertet die nun vom Bayerischen Landesamt für Umwelt veröffentlichte Altersdatierung von Ablagerungen im Tüttensee als schlagendes Argument gegen die Impakttheorie. An dieser Stelle sei die offizielle Pressemitteilung des Landesamtes zitiert. Die Studie ist hier zu finden.

Neue Altersdaten: Kein „Kelten-Komet“ im Chiemgau

„Den Kelten fiel der Himmel nicht auf den Kopf“ – Chiemgauer Tüttensee kein 2.500 Jahre alter Meteoritenkrater, sondern Toteiskessel aus der Eiszeit

(Hof) +++ Der Tüttensee bei Grabenstätt ist ein weit über 12.500 Jahre altes Toteisloch. Er ist kein Meteoriten- oder Kometenkrater aus der Keltenzeit. Dies stellte Roland Eichhorn, Chef-Geologe am Landesamt für Umwelt nach Vorliegen der neuesten Untersuchungsergebnisse klar, die im Rahmen der bayernweiten geologischen Landesaufnahme erzielt wurden. Eichhorn: „Unsere Radiokarbon-Datierungen zeigen, dass die Tüttensee-Vertiefung bereits seit Ende der Eiszeit existiert. Beim Tüttensee handelt es sich also höchstwahrscheinlich um ein Toteisloch.“ Diese für den Chiemgau charakteristischen Löcher sind beim Rückzug der Gletscher entstanden: Damals blieben Eisbrocken zurück, die in den Schmelzwasserschottern begraben waren. Nachdem auch dieses Eis getaut war, bildeten sich die typischen rundlichen Kessel, die sich oft mit Wasser füllten. Mit diesem Befund, so Eichhorn, sei die These eines kosmischen Impakts vor 2.500 Jahren im Chiemgau eindeutig widerlegt: „Den Kelten fiel der Himmel nicht auf den Kopf. Auch für eine weitere umstrittene These, dass bereits vor 12.500 Jahren ein Komet über Nordamerika und Europa in kleine Stücke zerbrach und den Tüttensee-Kessel erzeugte, finden wir keinerlei Hinweise.“ +++

Um das Alter des 400 Meter breiten, etwa kreisrunden Tüttensee-Kessels zu bestimmen, nahmen die Geologen Proben von den Seeablagerungen am Kesselboden und dem darauf in die Höhe wachsenden Moor. Die Radiocarbon-Methode ergab: Je weiter sie in die Tiefe vorstießen, desto älter wurden die Ablagerungen. In einem halbem Meter Tiefe war das Moor bereits 4.800 Jahre alt, ganz unten 10.000 und die Seeablagerung darunter sogar 12.500. Untersuchungen im benachbarten Chiemsee ergaben das gleiche Bild – wie im Tüttensee ruhige, ungestörte Seeablagerungen seit dem Ende der Eiszeit. Eichhorn: „Die Kelten im Chiemgau erlebten keine kosmische Katastrophe.“

Die Untersuchungsergebnisse und die Entstehungsgeschichte in Blockbildern finden Sie unter: http://www.lfu.bayern.de/geologie/index.htm

Tags: , , , , , , ,

4 Antworten zu “Komet oder Toteis? Neue Ergebnisse zur Entstehung des Tüttensees im Chiemgau”

  1. Robert Huber sagt:

    An Peinlichkeit nicht zu überbieten ist die Stellungnahme des CIRT hier:
    http://www.chiemgau-impakt.de/streit_detail.html

  2. Hmm – was Peinlichkeit betrifft, wie Robert Huber im Kommentar schreibt, sollte er besser selbst aufpassen. Er beruft sich in seinem Blog auf eine Arbeit von Gareis aus den siebziger Jahren (Gareis, J. [1978]: Die Toteisfluren des bayerischen Alpenvorlandes als Zeugnis für die Art des spätwürmzeitlichen Eisschwundes, Würzburger Geographische Arbeiten, Würzburg, 101 Seiten). In dieser Arbeit werden der Tüttensee und seine Umgebung auf knapp 2 Seiten (inkl. Fußnote) berücksichtigt, und nach dem dort gedruckten Text (wörtliche Zitate nachfolgend in kursiv) kann J. Gareis keineswegs als Kronzeuge für eine Glazialbildung der Tüttensee-Hohlform benannt werden. Eher das Gegenteil ist der Fall. Das wird nachfolgend belegt. „Es entstand in Form einer 8 die doppelte Tüttensee-Ringterrasse.“. Weiter wird dazu im Text ausgeführt:: „Innerer Aufbau und Form der Terrasse, vor allem der Kantenverlauf sprechen gegen eine Entstehung durch glaziale … oder fluvioglaziale … Prozesse.“ und in der Fußnote findet sich auch der bemerkenswerte Satz:
    „Der Böschungswinkel von stellenweise über 60° verbietet die glaziale Genese.“ Details finden Sie unter: http://www.chiemgau-impakt.de/#Anchor-neu4

  3. Robert Huber sagt:

    Es ist schon ziemlich dreist zu argumentieren, Gareis selbst hätte eine Toteisbildung des Tüttensees widerlegt. Was glauben Sie denn was er mit dem folgendem Satz gemeint haben könnte:

    „Der Zerfall der absterbenden Gletscherzunge in zwei im Maximum 600m lange Klötze ermöglichte eine weitere, tieferliegende Entwässerungsbahn in den entstandenen Spalten. Es entstand in Form einer 8 die doppelte Tüttensee-Ringterrasse.“

    Sie haben in Ihrem Zitat eine entscheidende Stelle weggelassen, der ganze Satz lautet nämlich:

    “Innerer Aufbau und Form der Terrasse, vor allem der Kantenverlauf, sprechen gegen eine Entstehung der Tüttenseeumrahmung durch glaziale (Moränenwälle) oder fluvioglaziale (Erosionsreste einer größeren Terrasse) Prozesse.”

    Er verwendet den Terminus glazial also im engerem Sinne von Moränenmaterial . Die Toteisbildung selbst sieht nicht als glazial (eiszeitlich) an sondern als nach, bzw. zwischeneiszeitlich an.

    Mehr zum Thema gibt es hier zu lesen:

    http://chiemgauimpact.blogspot.com/2010/10/gareis-richtig-lesen.html
    http://chiemgauimpact.blogspot.com/2010/10/gareis-der-eiszerfall-im-umkreis-des.html

  4. [...] Komet oder Toteis? Neue Ergebnisse zur Entstehung des Tüttensees im Chiemgau [...]

Hinterlasse eine Antwort

blogoscoop