RSS-Feed abonnierenNewsletter abonnieren

Die Wassersäulenmaschine der Grube Guldenhardt

Im Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen in Herdorf-Sassenroth findet vom 27.08.2011 bis zum 15.12.2011 eine Ausstellung zu einem interessanten Thema der Technikgeschichte statt. Im Jahr 1840 wurde auf der Stahlsteingrube Guldenhardt bei Herdorf-Dermbach eine sich selbst regulierende Wassersäulenmaschine in Betrieb genommen, entworfen von dem “technischen Universalgenie” Carl Ludwig Althans. Sie erreichte einen Wirkungsgrad von 76,7% und gewährleistete 30 Jahre lang die Wasserhaltung des Bergwerks bis 50 m unter der Talsohle. Die Wassersäulenmaschine ist durch zahlreiche erhalten gebliebene Pläne und Beschreibungen dokumentiert und wurde von dem Architekten Carsten Trojan auf dieser Grundlage digital rekonstruiert. Beeindruckende 3D-Animationen zeigen die Maschine in ihrem Kontext, ein Siegerländer Bergwerk im 19. Jahrhundert an der Schwelle zur Industrialisierung.

Plakat zur Sonderausstellung "Die Wassersäulenmaschine der Grube Guldenhardt"

Plakat zur Sonderausstellung "Die Wassersäulenmaschine der Grube Guldenhardt"

Auf dem Guldenhardter Gangzug, unmittelbar an der Landesgrenze zwischen Herdorf und Neunkirchen gelegen, bauten ursprünglich die Bergwerke „Weiße Guldenhardt“, „Alte Guldenhardt“, „Kux“ und „Grenze“. Die erste bisher bekannte schriftliche Erwähnung der Grube Guldenhardt findet sich in einer Zehntrechnung aus den Jahren 1705/1706. Im 18. und 19. Jahrhundert hatte die Grube Guldenhardt eine herausragende Bedeutung. Sie führte bis zu Tage einen hochwertigen, manganhaltigen Spateisenstein (Stahlstein), der für die Rohstahlerzeugung sehr begehrt war. Sie war im Besitz der Familie Remy aus Bendorf und stellte die wichtigste Rohstoffbasis der Wendener Hütte dar.
Zur Vorrichtung des Tiefbaus wurde in Jahr 1840 eine Wassersäulenmaschine installiert, konstruiert von Carl Ludwig Althans (1788-1864), einem der der angesehensten Ingenieure seiner Zeit. Sein bekanntestes Werk ist die im Jahr 1830 gebaute Gießhalle der Sayner Hütte, die heute als Prototyp des modernen, aus vorgefertigten Bauelementen hergestellten Industriebaus gilt.
Althans entwickelte für seine Wassersäulenmaschinen eine in deutschen Bergbaugebieten unübliche Pendelsteuerung. Das Vorbild für diese Technik ist bei frühen englischen Maschinen zu finden. Seine Maschinen zeichneten sich durch einen besonders gleichmäßigen Lauf, einen hohen Wirkungsgrad (70 – 80 %) und einen geringen Wartungsaufwand aus. Zudem verstand es Althans, auch geringe Wassergefälle optimal auszunutzen.
Im Zentrum der Ausstellung steht die digitale Rekonstruktion der Maschine in Form eines 5-minütigen computergenerierten Films, der die Maschine in ihrem Kontext zeigt. Daneben sind die wichtigsten Zeichnungen und Dokumente als Reproduktionen ausgestellt. Schautafeln mit Grafiken und Text geben einen Überblick über die Geschichte der Grube Guldenhardt.
Im Gelände der Guldenhardt sind noch zahlreiche Relikte erhalten geblieben. Neben den beeindruckenden Pingen, den oberen Hangstollen und Schächten ist der Verlauf des Kunstgrabens noch nachvollziehbar, der ehemalige Stauteich hat sich bis heute als Fischweiher erhalten. Der Kunstgraben geht in eine unterirdische Rösche mit Bruchsteingewölbe über, die ebenfalls noch im Gelände sichtbar ist. Leider sind auch hier die Relikte akut von Zerstörung durch Waldwirtschaft und Wegebau sowie durch illegale Abfallablagerungen bedroht. Es ist ein Anliegen des Ausstellers, den Besucher zu sensibilisieren, mit den Relikten der Vergangenheit verantwortungsvoll umzugehen und auch das touristische Potential von Altbergbaugebieten zu erkennen und zu nutzen.

Ort: Bergbaumuseum des Kreises Altenkirchen
Schulstraße 13
57562 Herdorf-Sassenroth

Dauer der Ausstellung: 27.08.2011 – 15.12.2011
Vernissage: 27.08.2011, 15:00 Uhr
Öffnungszeiten: täglich, außer montags, 10:00 – 12:00 Uhr und 14:00 – 17:00 Uhr
Auf Anfrage ist eine Führung durch die Ausstellung und eine geführte Wanderung durch das Gebiet der Guldenhardt möglich.

(Text: Pressemitteilung)

Tags: , , ,

Hinterlasse eine Antwort

blogoscoop