Kleine Petrologie des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig
Es ist zwar noch nicht Tag der Steine in der Stadt, aber meine Blicke schweifen meist auch ohne solch einen Anlass zu den in und an Gebäuden verbauten Gesteinen. Beim Leipziger Völkerschlachtdenkmal ist es fast unmöglich, das in gewaltigen Dimensionen “aufgestapelte” Gestein nicht eines genaueren Blickes zu würdigen.
Das Völkerschlachtdenkmal wurde zu Ehren der in der Völkerschlacht um 1813 Gefallenen erbaut – und zwar vollständig aus dem so genannten “Beuchaer Granitporphyr”. Beucha liegt etwa 30 km südöstlich von Leipzig. Dort wurde vor allem im Kirchsteinbruch seit Ende des 19. Jahrhunderts das markante Gestein abgebaut.

Granitporphyr im Kirchbruch von Beucha
Geologisch wird der Granitporphyr der Wurzen-Formation, die sich zwischen Wermsdorf, Leipzig und Eilenburg im Nordwestsächsischen Eruptivkomplex (NWSEK) erstreckt, zugeordnet. Der NWSEK wird in drei vulkanotektonische Zyklen eingeteilt, die charakteristischer Weise zu Beginn basische bis intermediäre und gegen Ende eines Zyklus eher saure Gesteine lieferten. Zu diesen sauren Endbildung zählt auch der Beuchaer Granitporphyr, der dem 2. Zyklus zugeschrieben wird. Das Alter dieses pyroxenführenden Rhyoliths wird an das Ende des Rotliegend (oberes Unterperm) eingeordnet. Neben dem meist chloritisierten (Ortho-)Pyroxen enthält das Gestein vor allem intermediären Plagioklas, Biotit, Alkalifeldspat und Quarz. Die vorliegende Gesteinszusammensetzung wird der Mischung eines sauren und eines andesitoiden Magmas zugeschrieben. Typisch ist die Intrusion der Granitporphyrkörper entlang NW-SE streichender tektonischer Inhomogenitäten in der Erdkruste.

Das Völkerschlachtdenkmal wird gerade restauriert.

Der Beuchaer Granitporphyr aus der Nähe.

Am Völkerschlachtdenkmal sind verschiedene Varianten des Granitporphyrs zu finden.

Während der Porphyrintrusion riss das Magma Nebengestein mit sich und inkorporierte es. Das Bild zeigt vermutlich einen Grauwacke-Xenolith, der als Inhomogenität im Gestein zur Rissbildung beiträgt.
(Quelle: Pälchen & Walter, 2008, Geologie von Sachsen)
Tags: Beucha, Granitporphyr, Leipzig, Petrologie, Völkerschlachtdenkmal





30. April 2009 um 21:01
[...] ⇒ Kleine Petrologie des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig [...]
24. Januar 2010 um 19:19
Ich wollte gern wissen, was der “Beuchaer Granitporphyr” noch heutiger Nomenklatur eigentlich ist.
Ein Rhyolith?
Warum trägt er das “Granit” als Bestimmungwort?
Warum wird er anderwo (z.B. Wikipedia) gern als Mikrogranit oder Mikrosyenitgranit bezeichnet?
Was hat er gemeinsam mit dem “Granitporpyr” von Bärenstein(Steinbruch) und Frauenstein(Burgberg) ?
25. Januar 2010 um 16:37
Ja, es handelt sich um einen Rhyolith mit Einsprenglingen von Plagioklas, Biotit, Alkalifeldspat, Orthopyroxen (chloritisiert) und Quarz.
Die Bezeichnung “Granit” ist historisch entstanden und wird bis heute mitgeführt, hat aber keinen ganz korrekten Bezug zur Zusammensetzung des Gestein nach heutigen Kriterien, da es sich um einen Subvulkanit handelt. Die anderen von Ihnen genannten “Granitporphyr”-Vorkommen sind im selben Zeitfenster entstanden (Oberkarbon bis Unterperm). Die Bezeichnung Syenogranit ist ein plutonisches Äquivalent zu Rhyolith, je nach dem ob man den “Granitporphyr” zu den Vulkaniten oder Plutoniten zählt. Da er zu den Subvulkaniten zählt, also weder Vulkanit noch Plutonit ist, ist die Bezeichnung in verschiedenen Quellen anders gewählt. (Quelle: Geologie von Sachsen, Pälchen & Walter, 2008).