Dürfen allgemein gebräuchliche Begriffe markenrechtlich geschützt werden? Mit dieser Frage hatte sich im Frühjahr diesen Jahres bereits das Landgericht in Leipzig befasst. Konkret ging es um den Begriff “Gondwana”. Der Leipziger Zoo hatte sich 2003 eine Wort-Bild-Marke mit dem Begriff “Gondwana-Land” für sein gleichnamiges, noch im Bau befindliches Tropenhaus schützen lassen und war nun als Kläger gegen den saarländischen Freizeit- und Themenpark “Gondwana – Das Prähistorium” vorgegangen. Eingeklagt werden sollte die Unterlassung der Verwendung des Begriffes “Gondwana”. Der Park im Saarland hatte Ende 2008 eröffnet und betreibt u.a. zwei Internetseiten unter Verwendung des Begriffs “Gondwana” in der Adresse. Das Landgericht entschied gegen den Leipziger Zoo und folgte damit der Argumentation der Beklagten, dass “Gondwana” einen allgemein gebräuchlichen Begriff darstelle, der markenrechtlich nicht geschützt werden könne. Der Zoo ging in Berufung. Heute gab es eine Entscheidung am Oberlandesgericht in Dresden. (weiterlesen …)
Archiv für die Kategorie ‘Geo-Zweifel’
Geologie und Markenrecht: “Gondwana” vor Gericht
Mittwoch, 25. August 2010Volvics Vulkan-Website enttäuscht
Sonntag, 27. Juni 2010Nachtrag, 29.06.2010: Nachdem ich Volvic auf Facebook dezent auf die fachlichen und sprachlichen Mängel hingewiesen hatte, kam heute ein dankender Kommentar mit der Information, die entsprechenden Passagen auf der Volvic-Website ausgebessert zu haben. Das stimmt. Allerdings bin ich in meinem Text (s. unten) nicht auf alle Fehler eingegangen und erst recht nicht auf die sprachlichen Grausamkeiten. Insofern bleiben die “Hintergrundinformationen” von Volvic nach wie vor mangelhaft.
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Ich hatte vor knapp zwei Wochen über die angekündigte Image-Kampagne des Mineralwasser-Abfüllers Volvic geschrieben. Dieser wollte sich ab Juli ausgiebig dem Zusammenhang zwischen seinem Produkt und den vulkanischen Einheiten widmen, die das Wasser durchdringt, ehe es in der Flasche landet. Nun ist die Website online – und enttäuscht. (weiterlesen …)
Gerät das traditionelle Publikationssystem der Wissenschaft ins Wanken?
Sonntag, 20. Juni 2010In den vergangenen Wochen ist in den Wissenschaftsmedien und -Blogs vor allem ein Thema ganz oben auf der Berichterstattungsliste: der geplante Boykott aller von der Nature Publishing Group (NPG) herausgegebenen Wissenschaftsjournale seitens der University of California (UC). Der Grund: die NPG, zu der u.a. auch “Nature” gehört, plant für die UC eine Abonnement-Preissteigerung für “Nature” von 400%. (weiterlesen …)
Geologen in Italien vor Gericht
Freitag, 18. Juni 2010Nur ein Artikelhinweis: in Italien stehen offensichtlich Geologen vor Gericht, denen hundertfacher Totschlag vorgeworfen wird. Der Grund: sie hatten nach der Bewertung mehrerer kleinerer Erdbeben in der Region L’Aquila eingeschätzt, dass diese kein Hinweis auf ein großes bevorstehendes Erdbeben darstellen würden. Das Problem: ein solches großes Erbeben folgte wenige Tage später. (weiterlesen …)
Leben im Anthropozän
Samstag, 12. Juni 2010Von Michael Buchwitz
Einleitung
Ihr abendländischer Geist leidet unter akuter Kränkung? Trösten sie sich! Selbst wenn nach Kopernikus, Darwin und Freud von der Idee der menschlichen Hoheit und Auserwähltheit nicht viel übrig geblieben ist, gibt es ein Mittel zur Linderung – der stete Blick in die glorreichen Gefilde des Anthropozäns. Klimaforscher und Geologen beweisen: Der Mensch wirkt. Und wie!
Es war PAUL CRUTZEN, Atmosphärenchemiker, Nobelpreisträger und Schöpfer des Begriffs “Anthropozän” (von griech. [anthropos] = Mensch), der die Epoche des globalen geologischen Wirkens des Menschen durch eine Anomalie in der atmosphärischen Zusammensetzung charakterisierte: Wer in ferner Zukunft Eisbohrkerne polarer Gletscher untersucht, wird feststellen, dass in dem seit ca. 1800 n. Chr. gebildeten Eis die eingeschlossene Luft stark erhöhte Konzentration an Kohlendioxid und Methan aufweist. Es handelt sich bei diesem Signal sozusagen um einen chemischen “Anthropomarker” (CRUTZEN 2002). (weiterlesen …)
Yonaguni/Hiseki Point – die Reste des sagenhaften Lemurien oder einfach “nur” ein Naturwunder?
Samstag, 12. Juni 2010Von Wolf Wichmann
Einleitung
Immer mal wieder taucht die mysteriöse “Pyramide” des “Hiseki Point” in diversen deutschen Fernsehkanälen auf. Als Wiederholung früherer Beiträge, versteht sich, nicht etwa in Form neuer Produktionen. Spiegel-TV, ZDF und auch die ARD hatten zwischen 1999 und 2003 in verschiedenen Dokumentationen die Entdeckung und Erforschung dieser ungewöhnlichen Felsformation vor der japanischen Insel Yonaguni auch in Deutschland zum Medienthema erhoben. (weiterlesen …)
80% der Geologen interpretieren falsch
Sonntag, 21. Februar 2010Zugegebenermaßen eine etwas provokante Behauptung, aber zumindest im Fall einer Studie der University of Glasgow ist dies eingetreten. Dort hatte man 500 Geologen ein synthetisches seismisches Profil zur Interpretation gereicht. Nur 21% der Testgeologen konnten die geologische Struktur richtig interpretieren. Zuvor erdachten sich die testenden Wissenschaftler eine geologische Situation und berechneten daraus das seismische Profil, das von den Testpersonen auszuwerten war. Das eigentlich Interessante ist dabei nicht die hohe Fehlerquote selbst, sondern einige Schlüsse, die die Forscher aus ihrem Test gezogen haben. (weiterlesen …)
Erklärung zum Sonntag: Des Geologen Liebe zum Bier
Sonntag, 21. Februar 2010Keine Neuigkeit, aber sehr interessant zu hören und zu lesen, warum Geologen und Bier nicht voneinander zu trennen sind. Besonders aufschlussreich ist die Erklärung von Daniel Jaffe (University of Washington) ab 1:58 Min.: (weiterlesen …)
(Geo-)Wissenschaftsjournalismus bei Welt-Online?
Sonntag, 06. Dezember 2009Eigentlich bin ich kein Krümelka…, aber bei manchen Artikeln über geowissenschaftliche Themen muss ich doch ein paar Worte verlieren. So zum Beispiel im Falle des gestern bei Welt-Online veröffentlichten Artikels über Gesteinsverwitterung durch Pilze. An sich ein spannendes Thema, doch die Aufbereitung ist fragwürdig. Das betrifft noch nicht einmal die konkrete Wiedergabe der Inhalte, die britische Forscher in “Geology” veröffentlicht hatten, sondern die Füllwörter und Zusammenhänge. Hier einige Beispiele: (weiterlesen …)
Kartenmaterial zum Unglück von Nachterstedt
Mittwoch, 22. Juli 2009Update 12.09.2009, 16.40 Uhr: Nach einem Hinweis von Gerhard Jost vom Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt (s. Kommentare unten) befinden sich, anders als die Kartenüberlagerung (s. unten) vermuten lässt, der Sportplatz und die südlich davon verlaufende Haldenstraße nicht auf Kippengelände.
Update 23.07.2009, 18 Uhr: Eintrag abgebauter Sicherheitspfeiler in Übersichtskarte
Update 24.07.2009, 22 Uhr: Kartenmaterial aktualisiert mit genaueren Umrissen der Rutschung und des Tagebaurestsees
Florian Jenn hat in seinem Blog den aus meiner Sicht ersten fachlichen Beitrag zum Unglück von Nachterstedt geliefert. Er zeigt geologisches und historisches Kartenmaterial des Tagebaus von Nachterstedt, auf dem dem Betrachter endlich eine Zuordnung der teils chaotischen medialen Fakten möglich ist. Bislang überschlagen sich die Medien mit Horrormeldungen über lebensgefährliche Braunkohlerestseen in Ostdeutschland. Zum Beispiel die ARD. Der Sender hatte gestern in den Tagesthemen Badegäste an einem Braunkohlenrestsee südlich von Leipzig suggestiv ausgefragt. Der Beginn des Beitrags impliziert bereits Gefahr:
Der Leipziger Süden zieht längst Urlauber an. Dass es hier gefährlich sein könnte, daran hat kaum einer gedacht, aber nun holt die Vergangenheit sie ein.
Eine interviewte Urlauberin gibt als Antwort auf eine im Beitrag nicht genannte Frage:
Ich weiß gar nicht, ob das hier gefährlich ist. Weiß man erst hinterher, ne.
Es fällt nicht schwer, sich die äußerst suggestive Frage des Reporters zusammenzureimen…
Wenn solche faktenlosen “Nachrichten” bereits im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laufen, ist abzuschätzen, was erst im Privat-TV an medialer Übertreibung gesendet wird. Jedes “Loch” in Deutschland wird mittlerweile von den Medien aufgegriffen, von teils selbst ernannten Experten per Liveschaltung bewertet und all das mit dem unterschwelligen Ziel, dem Zuschauer die scheinbar offensichtliche Gefahr solcher Restlöcher aufzuzeigen.
Florian Jenns Artikel macht noch einmal die Faktenlage deutlich. Nachterstedt ist ein besonderer Fall und kaum mit anderen Tagebaurestlöchern zu vergleichen. Die dort abgerutschte Kippe ist vor 1926 entstanden und aller Wahrscheinlichkeit nach kaum auf den sicherheitstechnischen Standards der Kippen basierend, die im letzten halben Jahrhundert in den deutschen Braunkohletagebauen angelegt wurden. Ich habe auf Grundlage von Florian Jenns Kartenmaterial einmal genauer an die Abbruchkante gezoomt (die rote Linie markiert die Rutschung und wurde relativ exakt aus Pressefotografien rekonstruiert): (weiterlesen …)