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Wismut-Sanierung Ronneburg

von Lutz Geißler

 

⇒ Einleitung
⇒ Die Sanierung
⇒ Abtrag der Halden Paitzdorf und Reust
⇒ Quellen

 

Hinweis: Fotografien des Haldenabtrags in der Region Ronneburg finden Sie ⇒ hier.

 

Einleitung

Die Wismut wurde nach dem Zweiten Weltkrieg als SAG (sowjetische Aktiengesellschaft) aufgestellt, mit dem Ziel, Uranlagerstätten in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zu erkunden und ggf. abzubauen. Das Uran sollte zum Bau der sowjetischen Atombomben genutzt werden. Nach dem Abwurf der beiden amerikanischen Atombomben auf Japan 1945 geriet die Sowjetunion in starken Zugzwang, auch schnellstmöglich Atombomben zu besitzen und so der USA Paroli bieten zu können.
Mit einer unglaublichen Geschwindigkeit wurden Stolln des Altbergbaus im Erzgebirge nach Uranvorkommen erkundet. In Johanngeorgenstadt ist man fündig geworden und so begann der Abbau im Objekt 1 der Wismut (das heutige Schaubergwerk Frisch Glück "Glöckl"). Neben den Altbergbau-Erkundungen wurden auch alte Halden mit dem Geigerzähler vermessen - auch dort wurde man fündig. Insgesamt entwickelten sich im Erzgebirge rund 50000 Quadratkilometer Such- und Erkundungsflächen. Innerhalb der SBZ bzw. DDR wurden 27 Uranlagerstätten aufgefunden, wobei die Ronneburger und die Niederschlema-Alberodaer Lagerstätten die bedeutendsten waren. Diese Erkundungsmaßnahmen kosteten die Wismut ca. 5,6 Mio. Mark - das verdeutlicht den Stellenwert des Urans zu dieser Zeit in der Sowjetunion.
1954 kam die DDR als Teilhaber der Wismut hinzu. Es entstand die SDAG Wismut (Sowjetisch-Deutsche Aktiengesellschaft) mit ca. 120000 Mitarbeiten. Die Wismut förderte von 1946 bis zu ihrer Schließung 1990 ca. 231000 Tonnen Uran. Mit der Wende kam das ohnehin bereits zu DDR-Zeiten geplante, jedoch frühere Aus für die SDAG Wismut und den Uranerzabbau. Die Wismut ging vollständig in Bundeseigentum über, die Sowjetunion entfernte sich wohlweislich aus dem "Urangeschäft" der Wismut. Seit Ende 1991 existiert die Wismut als GmbH und widmet sich hauptsächlich der Sanierung und Rekultivierung der ehemaligen Uranabbau-Standorte, darunter v.a. auch der größte Standort Ronneburg.

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Die Sanierung

Insgesamt wurden durch die Wismut bis 1990 im Ronneburger Revier 2926 Kilometer untertägiger Strecken, Überhaun und Schächten auf einer Gesamtfläche von 74 Quadratkilometern angelegt, auf denen 113000 Tonnen Uran gefördert wurden.
Die untertägigen Strecken werden durch Flutung, also durch den Anstieg des Grundwasserspiegels, verwahrt. Dieser recht komplizierte Prozess ist äußert langwierig und erfordert eine genaue Überwachung der Wässer. So ist in Schmirchau eine Wasseraufbereitungsanlage gebaut worden, die austretende Grubenwässer reinigen soll.
Weitere Sanierungsmaßnahmen sind der Abriss und die Demontage von Betriebsgebäuden und entsprechendem Betriebsgelände. Insgesamt sind 424 Objekte mit 33270 Tonnen Schrott und 171600 Kubikmetern Bauschutt der Sanierung zum Opfer gefallen.
Die auch in der Öffentlichkeit wesentlich aufsehenerregendere Sanierungsmaßnahme war und ist jedoch die Verwahrung der Gessenhalde, Nordhalde, Absetzerhalde, Halde 377, der Spitzkegelhalden Paitzdorf und Reust, der Drosener, Korbußener und Beerwalder Halde. Die Halden Drosen und Korbußen wurden an die Halde Beerwalde angelagert. Alle anderen genannten Halden wurden und werden in das Tagebaurestloch Lichtenberg verfüllt. Dabei handelt es sich um ca. 115 Mio. Kubikmeter Abraum, der bis 2007 den Tagebau füllen soll. Die Gessener und die Nordhalde sind bereits abgetragen, die Absetzerhalde soll bis 2005 verschwunden sein. Am 05. Juni 2004 wurde der 100-Millionste Kubikmeter Umlagerungsmasse in den Tagebau eingebracht.
Nachfolgend wird nun auf den Abtrag der Halden Paitzdorf und Reust etwas näher eingegangen und v.a. der Sinn und Unsinn dieses Vorhabens diskutiert werden.

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Abtrag der Halden Paitzdorf und Reust

Am 05. Juni 2004 begann mit einer offiziellen Feierlichkeit der Abtrag der Spitzkegelhalden Reust. Es ist seitens der Wismut GmbH vorgesehen, diese Halden bis 2005 in den Tagebau Lichtenberg eingebracht zu haben. Bis 2007 sollen dann auch die entsprechenden Halden in Paitzdorf folgen.
Transportiert werden die ungeheuren Massen von riesigen LKW (Caterpillar), mit einem Fassungsvermögen von (offiziell) 136 Tonnen. Der Reifendurchmesser der größten LKW beträgt ca. 3 bis 3,50 Meter. Insgesamt werden pro Tag etwa 40000 Liter Diesel verbraucht. Trotz der Nutzung von Biodiesel sind das enorme Mengen! Ursprünglich erreichte der Tagebau Lichtenberg eine Tiefe von etwa 240 Metern, die jedoch schon zu DDR-Zeiten durch Auffüllung auf ca. 160 Meter verringert wurde. Zu Beginn des Abtrags der Spitzkegelhalden lag die tiefste Stelle des Tagebaus bei ca. 60 Metern, da schon die Halden Gessen und Nord sowie die Absetzerhalde in das Restloch eingetragen wurden.

Der Abtrag dieser Ronneburger Wahrzeichen und Symbole ist weithin umstritten. Die Halden sind das Kennzeichen von Ronneburg. Wenn jemand nach Ronneburg in Thüringen gefragt wird, fallen ihm sofort die Spitzkegelhalden ein. Jahrelang wurde gestritten, begutachtet und diskutiert - bis die Entscheidung zur Umlagerung getroffen wurde. Die Wismut an sich war ursprünglich sogar gegen einen Abtrag der Halden, jedoch konnte sich im Umweltministerium ein Gutachter durchsetzen, der meinte, dass die Halden in Zukunft durchaus eine Gefahr für das Grundwasser darstellen könnten. Hinzugefügt werden sollte jedoch, dass sich unter den Halden tlw. abdichtende Lehmmassen befinden. Neben diesem Kritikpunkt lassen sich aber auch noch zahlreiche andere finden.
So wurde oft mit dem Abtrag der Halden durch Wind argumentiert. Jedoch sind die Halden fast vollständig bewachsen, bilden sogar ein einzigartiges Biotop, auf dem sich tlw. seltene Tier- und Pflanzenarten angesiedelt haben, da der Haldenbereich günstige geochemische, mikroklimatische und nahezu "menschenfreie" Bedingungen bietet. Desweiteren stellen die Halden eine entscheidende Wetterscheide für den Raum Ronneburg und dessen Umland dar. Durch den Abtrag der Halden wird sich das Wetter im großen Umfeld Ronneburgs merklich ändern.
Letztendlich war die Entscheidung zum Haldenabtrag in Paitzdorf und Reust eine rein politische - gewandt gegen alle denkmalpflegerischen, kulturellen, historischen, (so seltsam es auch klingt) ökologischen und emotionalen Argumente gegen diese Vernichtung Ronneburger Wahrzeichen. Die Halden waren schon aus großer Entfernung erkennbar. Sie haben Ronneburg auch über Deutschlands Grenzen hinaus bekannt gemacht. Schlichtweg makaber erscheint es nun, dass mit dem Gedanken gespielt wird, nach dem Abtrag der Halden ein ebenso großes Gerüst aufzustellen, das die Silhouette der Halden nachzeichnen soll. Man kann davon ausgehen, dass der Haldenabtrag schlichtweg eine besondere Arbeitsbeschaffungsmaßnahme ist, die Ronneburg nach 2007 teuer zu stehen kommen wird - nicht unbedingt im finanziellen, aber im kulturellen und touristischen Sinne. Bemerkenswert erscheint auch, dass selbst große Teile der Wismut-Belegschaft gegen einen solchen Abtrag sind. Natürlich ist der Arbeitsplatz das wichtigste Kriterium. Doch nach 2007 werden wohl etliche Wismut-Mitarbeiter (v.a. diejenigen, die die Spezialfahrzeuge für den Haldenabtrag fahren) mit ihren Qualifikationen ohne Verwendung dem freien Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.

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Quellen

- Bergbauverein Ronneburg e.V. (www.bergbauverein-ronneburg.de)
- Ein Tagebau wird saniert. - Wismut GmbH, Chemnitz 2002
- Ein Bundesunternehmen in Sachsen und Thüringen. - Wismut GmbH, Chemnitz 2003
- Karlsch, R., Zeman, Z.: Urangeheimnisse. - Ch. Links Verlag, Berlin 2002

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© 07.06.2004 Lutz Geißler (Freiberg) ⇒ contact

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